Dudens Helvetismen

Veröffentlicht: 14. März 2012 in Journalismus und Printmedien
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Martin Ebel rezensiert im „Tages-Anzeiger“ ein neues Büchlein des Duden-Verlags zum Schweizerhochdeutschen. Das erste und zugleich grösste Problem, das ich mit dem Artikel habe, ist, dass darin so getan wird, als ob das jetzt eine neue Sache sei. Dabei habe ich vor mir das Duden-Taschenbuch „Wie sagt man in der Schweiz?“, welches 1989 (!) erschienen ist und in dem das (fast) alles schon drinstand. Nichts Neues unter der Sonne also.

Im Weiteren ist mir aufgefallen:

Zum Beispiel für „den Fünfer und das Weggli“: Da muss man schon zum Englischen greifen („to eat the cake and have it“).

Definitiv nein. Bitte im Englisch-Wörterbuch nachschauen, wie das Ding richtig heisst. Danke.

Nicht nur im Wortschatz hat das Schweizerhochdeutsch seine Eigenheiten, sondern auch in der Aussprache („Asyl“ spricht der Deutsche mit ü, der Schweizer mit i).

Wenn das jemand so ausspricht, dann ist das kein Schweizerhochdeutsch, sondern ein Fehler. Ich habe diese Aussprache jedenfalls schon lange nicht mehr gehört, und wenn, dann nur von Leuten, die der Sprache wohl nicht besonders mächtig sind.

Fast 100 Seiten ist das Bändchen dick, die Duden-Redaktion hat etliche Tausend Vokabeln gefunden und ist noch nicht einmal vollständig.

Ein ganz klassischer Fall von ‚Kommas retten Leben!‘: „Komm, wir essen Opa!“ Nicht die Duden-Redaktion, sondern das Bändchen ist unvollständig (besser würde man wohl Gedankenstriche setzen). Übrigens, das eingangs erwähnte Bändchen von 1989 umfasst 380 Seiten, ist also wahrscheinlich um einiges ausführlicher als das neue…

Nicht vermisst hat der Rezensent eine unschöne (…) Wendung aus dem Psychojargon: „sich selbst sein“. Wenn er eine Einzige aus dem Sprachgebrauch streichen dürfte: Sie wäre es.

Eine einzige (sc. Wendung), nicht „eine Einzige“. Zu der Wendung „sich selbst sein“ übrigens nochmals der Band von 1989: genau diesem Phänomen wird hier eine ausführliche Abhandlung gewidmet, wenn auch vorwiegend unter grammatikalischen statt psychologisch-semantischen Gesichtspunkten. Trotzdem lesenswert, Herr Ebel (265f.)

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