Stigelisinnig und stifelisinnig

Veröffentlicht: 12. September 2012 in Journalismus und Printmedien
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… und täglich grüsst das Murmeltier in Form der TA-Rubrik „Dialektisch“. (Eigentlich müsste ich noch ein „Antidialektisch“-Buch herausbringen!) Diesmal geht es um das schöne Wort „stigelisinnig“.

Die Neuzeit habe daraus vielerorts ein „stifelisinnig“ gemacht. Der Ausdruck sei daraus entstanden, dass „einem so ein Lärm oder Stress mit seinen Stifeli zu fest und schnell im Kopf herumtrampelt“.

Nun hat der Ausdruck aber mit Stiefeln ursprünglich überhaupt nichts zu tun, sondern das ist nur eine volksetymologische Umdeutung des älteren „stigelisinnig“, weil wohl der ältere Audruck vielerorts nicht mehr verstanden wurde. „Stigele/Stigeli“ sind nämlich Holzpflöcke oder -stäbe, die zu den verschiedensten Zwecken gebraucht wurden, wie als Bohnenstangen, Stützen für Äste von Obstbäumen u. v. m. Diesem Ausdruck ist aber die „Dialektisch“-Redaktorin überhaupt nicht nachgegangen, obwohl das viel interessanter gewesen wäre als seine volksetymologische Umdeutung. Aber begreiflicherweise darf man ja nicht Hilfsmittel wie etwa das „Schweizerische Idiotikon“ benutzen, sondern das Wichtigste ist bekanntlich, dass der Redaktor seine eigenen Einfälle und Assoziationen präsentieren darf und sich dazu nach Belieben aus dem Fenster lehnen kann.

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