Gedanken zur Mörgeli-Affäre

Veröffentlicht: 20. September 2012 in Journalismus und Printmedien
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Ich muss vorausschicken, dass ich weder Pro-SVP noch Anti-SVP bin – ich bin überhaupt keiner Partei zugehörig – und somit auch nicht grundsätzlich Pro-Mörgeli oder Anti-Mörgeli eingestellt bin. Je nach Thema stimme ich so oder so ab – mir ist dann schnurzpiepegal, ob nun die Linken oder die Rechten für oder gegen die jeweilige Vorlage sind.

Aber das aktuelle Mörgeli-Theater geht mir gehörig auf die Nerven und lässt mich sehr an der Qualität des Journalismus und andererseits an der Führungskompetenz aller hier Beteiligten zweifeln. Eine Debatte um möglicherweise ungenügende Arbeitsleistungen eines Angestellten und ein damit zusammenhängendes Kündigungsverfahren hat nun mal nicht in der Öffentlichkeit und über die Medien geführt zu werden, aus und amen. Dass Mörgelis Gehalt als Titularprofessor vom Steuerzahler getragen wird, kann als Argument dafür auch nicht akzeptiert werden, denn bei allen anderen Staatsangestellten werden solche Debatten schliesslich auch nicht öffentlich geführt. Die meisten der Leute, die nun meinen, auf den Onlineportalen von „20min“ oder „Blick“ ihre Kommentare abgeben zu müssen, können gar nicht nachvollziehen, was genau die Aufgaben eines solchen Titularprofessors sind. Wie sollen sie nur schon den Unterschied zu einem Ordinarius (also einem Lehrstuhlinhaber) verstehen? Ist das nun sinnvoll, wenn sich Krethi und Plethi zu den Leistungen des Titularprofessors Mörgeli äussern dürfen?

Und wenn der „Sonntag“ mit Berufung auf zuverlässige Quellen (ohne diese im Detail offenzulegen) verkündet, Mörgeli erhalte die fristlose Kündigung, wird er nur dank seiner Berufung auf angeblich zuverlässige Quellen selber auch zu einer solchen? „20min“ und „Blick“ übernahmen die Sensationsmeldung ja dann gleich – nur um wenig später hinzufügen zu müssen, dass die Uni Zürich inzwischen diese Aussage bereits dementiert habe. So viel zum Thema „zuverlässige Quellen“!

Es folgte ein unseliges Hin und Her – via Medien schaltete sich auch noch die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli ein und verkündete, Mörgeli könnte am 21.9. anlässlich eines weiteren Beurteilungsgesprächs die Kündigung erhalten, wobei diese dann aber nicht fristlos wäre, sondern mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten. Dies wurde dann allerdings widerrufen, da im Protokoll des letzten Beurteilungsgesprächs offenbar gestanden hatte, dass am 21.9. bei erneut ungenügender Beurteilung eine Bewährungsfrist von sechs Monaten ausgesprochen würde. Erst nach dieser Bewährungsfrist würde man dann allenfalls die Kündigung beantragen. Gleichzeitig wird aber auf „20min Online“ in einem anderen Artikel von irgendeinem Arbeitsrechtler behauptet, dass die Kündigung unter Umständen trotz dieser Vereinbarung direkt ausgesprochen werden könnte.

Bei diesem Hickhack kann ja niemand mehr drauskommen. Zu einer vernünftigen und pragmatischen Beilegung des Konfliktes trägt dieses mediale Kesseltreiben erst recht nichts bei. Mein Vorschlag: lasst doch einfach die Leute, die für diese Sache wirklich zuständig sind, in Ruhe ihre Arbeit machen, und kommuniziert erst dann, wenn irgendetwas feststeht. Oder müssen wir zuerst noch eine Volksabstimmung machen, ob Mörgeli nun seinen Job behalten darf oder nicht? Was soll das eigentlich für ein Schmarren sein?

Ansonsten werde ich den Eindruck nicht los, dass diese merkwürdige Art des Einbezugs der Medien vor allem den Zweck verfolgt, Mörgeli unmöglich zu machen und aus seinem Posten herauszuekeln. Wenn es nicht Mörgeli – ein SVP-Exponent, der bekanntlich vielerorts aneckt – wäre, sondern irgendein beliebiger anderer Titularprofessor, den niemand kennt, würde das die Öffentlichkeit nämlich nicht die Bohne interessieren. Klar – wenn der Herauszuekelnde ein SP-Exponent wäre, kämen aus den SVP-Reihen auch hämische Sprüche. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Aber das macht die Sache schliesslich auch nicht besser.

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Kommentare
  1. Michi sagt:

    Full ACK!

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