Der Waldrapp

Veröffentlicht: 25. Dezember 2012 in Journalismus und Printmedien, Vermischter Schwachsinn
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„20min Online“ berichtet mit Berufung auf das Communiqué des österreichischen Waldrapp-Teams, dass es weltweit nur noch 30 Exemplare (!) dieses höchst bedrohten Vogels gebe. So steht es im Lead sowie in einer Bildlegende. Dabei zitiert der zuständige Redaktor im ersten Hauptabsatz das Communiqué sogar noch richtig: Es gebe weltweit weniger als 30 Exemplare, die das arttypische Zugverhalten zeigten.

Will sagen: die restlichen Tiere sind sessil geworden (d. h. sie bekommen nicht mehr beigebracht, dass sie in der kalten Jahreszeit wandern müssen). Der für den Sinn der Aussage entscheidende Relativsatz wurde im Lead und in der Bildlegende natürlich unterschlagen, also eine sinnentstellende Verkürzung…

Ein anderer (orthographischer) Fehler geht auf die Verfasser des Communiqués zurück: Die in der Schweiz wohl mässig ortskundigen Österreicher schrieben, dass der Waldrapp bei Rossau-Mettmenstätten gesichtet worden sei. Dies wurde von „20min Online“ – dessen Redaktoren wohl ortskundig sein sollten – natürlich ungeprüft übernommen. Ein Mettmenstätten gibt es aber nicht, nur ein Mettmenstetten. (In Pierer’s Universal-Lexikon von 1860 wurde wohl noch von „Mettmenstätten“ geschrieben, aber ich glaube nicht, dass dieses Opus in orthographischer Hinsicht noch aktuell ist, wird doch dort auch von einem „eidgenössischen Postbüreau“ geschrieben…)

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