Katholikerin auf Kreuzzug

Veröffentlicht: 14. Februar 2013 in Fremdwörtergebrauch allgemein, Journalismus und Printmedien
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Es gibt Themen, die im öffentlichen Diskurs bekanntermassen stark belastet sind, und darunter sind ganz weit vorne alle Themen, die mit der Kirche zu tun haben. Hier wird allseitig nur mit Scheuklappen, ohne Verstand, argumentiert. Jeder, der irgendeine noch so hanebüchene Wahn- und Klischeevorstellung von der Kirche und ihren Vertretern hat, muss diese natürlich in die Welt hinausposaunen und ist damit keinen Deut besser als die Angehörigen der Kirche, die zum Teil manchmal auch etwas weltfremd auftreten.

Sehr amüsiert hat mich zum Beispiel der folgende Beitrag einer Frau im Talkback zu einem papstbezogenen Artikel auf „20min Online“:

Kann mir bitte jemand sagen was die Aufgabe des Papstes ist? Ich wollte das schon immer wissen doch gehört habe ich nie etwas. Denn er hat teure Kleider und teuren Schmuck an während viele Menschen hungern..Ich bin selber Katholikerin.

Sehr tolle Katholikin, die nicht mal weiss, dass es nicht „Katholikerin“ heissen kann. Ausserdem denke ich doch, dass man als halbwegs informierter Katholik wissen könnte, was die Aufgabe des Papstes ist. Das weiss ja sogar ich als Protestant. Und sonst – wenn die Dame das schon unbedingt wissen will – könnte man ja auch auf einer beliebigen Website nachlesen, was die Aufgabe des Papstes ist. Wikipedia würde dafür genügen.

Und auch bei einer Leserbriefschreiberin im „Tages-Anzeiger“ hat der Verstand wohl kurz ausgesetzt – warum sonst könnte sie folgendes verlauten lassen (der Satz wurde sogar von der Redaktion als Überschrift über die entsprechende Leserbriefspalte gesetzt):

So gesehen ist die Hoffnung riesig, dass die katholische Kirche fortan ihren „Kreuzzug gegen die Sexualmoral“ aufgibt.

Ich möchte gerne wissen, seit wann sich die Kirche auf einem Kreuzzug gegen die Sexualmoral befindet. Es wäre schon sehr interessant und befremdlich, wenn dem so wäre…

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Kommentare
  1. Immerhin wäre das Letztere aber auch irgendwie menschlich und somit überraschend. Ich liebe Überraschungen! 😉

  2. iivel sagt:

    All die Leserkommentare zu diesem Thema auf Blick- oder 20min-Online sind etwas vom unterhaltsamsten, was ich seit Jahren lesen durfte… herrlich!

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