Nicht Klassifizierbarkeit von Gamellen

Veröffentlicht: 15. Oktober 2013 in Journalismus und Printmedien
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Zwei interessante Fehler aus dem „Tages-Anzeiger“ von gestern:

Schliesslich hat er gerade aus seiner nicht Klassifizierbarkeit ein Geschäftsmodell gemacht.

Die „nicht Klassifizierbarkeit“? Im Deutschen gibt es so etwas wie Komposition, und auch Wörter wie „nicht“ oder „nichts“ können dabei zu einem Wortbestandteil gemacht werden. Nur ist dieser Zusammenhang anscheinend der Journalistin fremd. Schreibt sie auch „nicht Raucher“, „nicht Schwimmer“ oder „nichts Nutz“? Oder ist das wieder mal von der deutschen Rechtschreibreform ausgelöste Verwirrung?

Sehr spannend auch (von derselben Journalistin!):

Statt die immer gleichen alten Gamellen aufzufahren, hätte man sich in Leutschenbach getrost einmal fragen können, was denn die Schweizer Frauen im Verlauf der Jahrhunderte so getrieben haben.

Eine Gamelle ist ein Koch- und Essgeschirr in der Schweizer Armee. Gemeint sind hier aber „alte/olle Kamellen“. Dieser Ausdruck ist auch interessant, da „Kamelle“ eigentlich für „Kamille“, also die Heilpflanze, steht. „Alte Kamellen“ sind also Kamillenblätter, die ihre Frische und damit auch ihre Wirksamkeit verloren haben und deshalb nicht mehr verwendet werden sollen.

Da ist man also zur Journalistin des Jahres 2010 ernannt worden, schreibt gut und viel, glaubt durchaus, etwas zu sagen zu haben – und beherrscht das elementare Arbeitswerkzeug, nämlich die Sprache, nicht. (Ich erinnere in diesem Zusammenhang an Peter Schneiders Artikel in demselben Blatt zum Thema, woran man Qualitätsjournalismus erkennt. Warum der Tagi selber Schneiders Tipps nicht beherzigen will, frage ich mich schon seit Jahren.)

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