Schweizer Wort des Jahres ist #

Veröffentlicht: 4. Dezember 2014 in Uncategorized

Vielleicht sollte man Themen, die irgendwie mit Sprache zu tun haben, auch von Leuten behandeln lassen, die auch eine Ahnung von Sprache haben. SRF schafft die peinliche Leistung, absurderweise ein Zeichen zum Wort des Jahres zu erklären, und 20min schafft die nicht minder peinliche Leistung, darüber in einem Artikel von vier relativ kurzen Absätzen zu berichten, in denen mindestens elf Fehler untergebracht sind: zwei Kommafehler, zwei Syntaxfehler, drei Grammatikfehler, drei sonstige Schreibfehler (alle im Bereich Gross-/Kleinschreibung) und ein Logikfehler – wer bietet mehr? Aber eins nach dem anderen – ich zeige hier natürlich nicht jeden einzelnen Fehler auf, sonst bin ich morgen noch dran:

Das Schweizer Wort des Jahres ist: #

Absurd, da # kein Wort, sondern ein Zeichen ist. Übrigens ist auch „Schweizer Wort“ ein bisschen merkwürdig; was # spezifisch mit der Schweiz zu tun haben soll, ist mir schleierhaft.

Seit über zehn Jahren wählt die Schweiz ihre Wort und Unwort des Jahres.

Ihre Wort und Unwort des Jahres?

So kurz wie 2014 war die Wahl jedoch noch nie.

Die Wahl ist nicht dasselbe wie das Gewählte. „Wahl“ bezeichnet den Vorgang des Wählens. Nicht die Wahl war also kurz, sondern das gewählte Wort.

Der «Hashtag» (also: #) ist zum Schweizer Wort des Jahres 2014 gekürt worden.

Wieder falsch, denn mit „Hashtag“ wird die Verbindung eines Stichwortes mit davorgestelltem hash sign als Ganzes bezeichnet.

Die Jury begründet ihren Entscheid damit, dass das Wort die heutigen Jugend widerspiegle.

„Die heutigen Jugend?“ Sehr gut…

Die Jury findet, dass wer in der Schweiz über Dichtestress klage, hätte solchen noch nie richtig erlebt.

Eine völlig absurde syntaktische Würgerei, aber nichts Neues. Heute kann scheinbar niemand mehr mit eingeschobenen Nebensätzen richtig umgehen. Inhaltlich ist die Begründung der Jury aber auch fragwürdig, denn es ist immer eine Frage des Bezugspunktes. Wer sich beispielsweise die Verhältnisse im hohen Norden gewohnt ist, kann in der Schweiz durchaus plausibel Dichtestress erfahren. Dazu muss man nicht erst den „wahren“ Dichtestress in Millionenstädten erfahren. Das, was einen krank macht (so auch bei Phänomenen wie Burnout), ist immer der subjektiv empfundene Stress, nicht der objektiv messbare. Insofern ist die Argumentation völlig absurd und bei der Begründung der Vergabe eines „Unwortes des Jahres“ dementsprechend fehl am Platz. Es ging den Juroren also mehr um das Zurschaustellen ihrer politischen Gesinnung denn um die echte Reflexion über ein Wort/Unwort.

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