Mittagshit am verkaufsfreien Sonntag

Veröffentlicht: 10. Dezember 2014 in Uncategorized

Unter der Rubrik „1 Bild statt 1000 Worte“ erscheinen auf 20min Online in unregelmässiger Folge von Lesern eingesandte skurrile Bilder aus dem Alltag. So erschien gestern ein Bild mit der Ankündigung eines „Mittagshits“ beim Migros-Restaurant mit dem Bildkommentar „Bindestriche werden unterschätzt – auch bei der Migros“.

Ich finde es ja generell den Hammer, wenn ausgerechnet 20min sich dazu herablässt, sich über sprachliche Fehler bei anderen lustig zu machen. (Unter den Blinden ist der Einäugige König.) Nun ist es aber so, dass „Mittagshit“ ein ganz gewöhnliches, regelrecht gebildetes deutsches Nominalkompositum ist und somit auf keinen Fall einen Bindestrich benötigt, auch wenn der Einsender und offenbar auch die Redaktion das Gefühl hatten, man müsse einen solchen setzen, um gewisse Assoziationen zu vermeiden. Das, was suggeriert werden soll, wäre aber ohnehin nicht möglich, da man das s in jedem Fall als Genitiv-s interpretieren muss. Sonst müsste das Kompositum nämlich mit zwei s geschrieben werden; einem für den Genitiv von Mittag und einem für die menschlichen Exkremente auf Englisch. Ich würde also sagen: Nicht Bindestriche werden unterschätzt, sondern die Problematik, ob man ein oder zwei s schreiben muss.

Am Tag zuvor befand man es für nötig, sich über eine Werbeanzeige lustig zu machen, in der der 8. Dezember vermeintlich zu Unrecht als „verkaufsfreier Sonntag“ bezeichnet wurde (es handelte sich um einen Montag). Allerdings ist der 8. Dezember in katholischen Gegenden ein Feiertag (Mariä Empfängnis). Darauf nahm die Werbeanzeige Bezug, indem gesagt wurde, dass in Ebikon die Filiale trotz des Feiertags geöffnet ist. Richtig ist somit auch auf der Informationswebsite http://www.sonntagsverkaeufe.ch der Montag, 8.12.2014, aufgeführt, obwohl es gar kein Sonntag ist.

Fazit in Bezug auf 20min respektive auf die einsendenden „Leserreporter“: Wer nichts weiss, muss alles lächerlich finden. Dabei gäbe es genug Skurriles aus dem Alltag, das tatsächlich fragwürdig ist. Lächerlich ist nur, wenn die 20min-Redaktionspraktikanten vermeintliche Fehler zu Unrecht anprangern, die in Wirklichkeit richtig sind, während sie selber Millionen der absurdesten, echten Fehler in die Welt setzen.

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