Über diesen Blog

Lieber Leser, liebe Leserin

Ich erlaube mir einfach mal, für diesen Blog Eckhard Henscheids Begriff „Dummdeutsch“ in seinem Sinne zu übernehmen. Semantischer Müll soll entlarvt werden, wo immer er uns im Alltag überrascht, amüsiert oder verärgert. Sprachlicher Dünnpfiff in der Werbe-, Wirtschafts- oder Politikersprache, in Zeitungen, die es eigentlich besser können müssten, aber auch Dialoge, die man von intellektuell etwas schmerzfreieren Zeitgenossen gelegentlich belauschen darf – wobei es bei Letzteren (im Gegensatz zu den professionellen Sprechern und Schreibern) nicht darum geht, sich über sie deswegen lustig zu machen, weil sie es sprachlich nicht besser könnten, sondern weil sich darin inhaltlich eine ungeheure (Situations-)Komik verbirgt.

Henscheid selber äussert sich dazu wie folgt: „Diese genetisch manchmal kaum sortierbare und sehr gallertartige Aufschüttung aus Neo- und Zeitlosquatsch, aus verbalem Imponiergewurstel bei gleichzeitiger Verschleierungs- und Verhöhnungsabsicht oder auch umgekehrt Angst; aus modisch progressistischem Gehabe wie gleichzeitig stur autoritärer Gesinnung mal bürokratieseligem Geschwafel – dieses Dummdeutsche bekommt am Ende etwas über die lässliche Verfehlung weit hinaus konstitutionell Hirnzerbröselndes.“

Und auch Michael Rudolf in seinem „ABC der Kultdeutschen“ (Berlin, 2007) lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Früher konnten wir zu Recht bemängeln, dass es für viele Menschen vermessen sei, ‚Ich‘ zu sagen. Die neue Qualität ist, dass sie nicht einmal mehr eindeutig ‚Ja‘ oder ‚Nein‘ sagen können. (…) Ob es Anglizismen sind, welche die Verunsicherung der fortgeschrittenen Generationen und demzufolge ihre Anbiederung an die ‚Jugend‘ in einer durch und durch infantilisierten Gesellschaft dokumentieren, der lobbyistische Sektenslang rhetorisch schwer vermittelbarer Manager (…), das ellipsenepileptische Gesafte von Bild, welches sich bis in die letzte Regionalzeitungsredaktion geschlichen hat, das adoleszente Dauergeprahle der Imagewerbung, die man uns nach wie vor als Kunst verkaufen will, die semantische Hohlraumummantelung aus der Hölle des sogenannten ‚Kreativbereichs‘ (…), die witzzwangsarbeiterische Verkalauerung jedes zweiten Ladens (…), der Tellerminendialekt abgehobener Gastronomie – all dies und noch viel mehr bildet einen toxischen Strudel, der die letzten Bastionen der Geduld und des Verstandes erodieren lässt.“

– Und genau diesen toxischen Strudel des Sprachmissbrauchs (nicht Sprachzerfalls – obwohl teilweise auch dieses Problem hinzutritt) gilt es in diesem Blog immer wieder zu dokumentieren.

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