Archiv für die Kategorie ‘Alltagsdialoge’

Sammlung für scheidende Mitarbeiter

Veröffentlicht: 26. August 2013 in Alltagsdialoge

Mir wurde von einem Gewährsmann folgende E-Mail zugespielt, die jemand firmenintern verbreitet hatte:

Da Barbara und Daniel (Namen geändert) uns per Ende September verlassen ist es leider schon bald Zeit an ein Abschiedsgeschenk zu denken. Ich habe je ein Kärtli vorbereitet und ein Couvert zum sammeln. Wer sich gerne beteiligen möchte kann bei mir vorbeikommen oder sich bedienen (in der zweiten Schublade) wenn ich mal nicht da bin.

In diesem Sinne: Bedienen Sie sich!

Immer wieder lustig, wenn unbedarfte Schreiber Redewendungen verhunzen, weil sie deren eigentlichen Sinn offensichtlich nicht erkennen:

Es kann ja nicht sein, dass man dem Tod von der Schnippe springt und nachher wegen den Schulprüfungen zusätzlichen „Stress“ erleiden muss.

Offensichtlich „dem Tod von der Schippe springen“ und „jmdm. ein Schnippchen schlagen“ miteinander vermengt…

Da wimmelt er wieder der Amtschimmel.

Ja, was könnte ein Amtsschimmel wohl sein, wenn er – wie die Redewendung richtig lauten würde – doch wiehert?

Manche Leute sind so unglaublich borniert, dass sie selbst von Mitmenschen, die definitiv eine Ahnung haben, keine Korrektur annehmen können, ohne beleidigend zu werden. Dies habe ich rein zufällig auf einer Seite zu Vornamen gefunden; da kommentierte eine Sanna zum Vornamen „Sybille“ (wobei sogar oben in der Beschreibung geschrieben stand, dass „Sibylle“ richtiger wäre!):

Eigentlich ein schöner Name, aber man sollte (wie bei jedem Namen) Informationen über die richtige Schreibweise einholen. Jedem halbwegs humanistisch gebildeten Menschen schmerzen die Augen bei Sybille etc. und für die Kinder ist es peinlich, einen falsch geschriebenen Namen zu haben. Sorry, aber wenn schon, dann Sibylle!

Sanna hat selbstverständlich recht. Der traditionelle Name der entsprechenden Seherinnen in der Antike war „Sibylla“ und daher auch die „Sibyllinischen Bücher“ etc. Nun, ich mache niemandem einen Vorwurf, der im Namen die falsche Schreibweise hat, aber es ist nun mal eine unumstössliche Tatsache, so leid es mir tut.

Warum dann also pikierte Wortmeldungen wie die folgende:

Liebe Sanne, bevor du das nächste Mal diverse Schreibweisen kritisierst, empfehle ich dir einen Duden zu Rate zu ziehen! Denn dann würdest du sehen, dass es nicht DIE Schreibweise gibt, sondern nur eine, die sich zu meinem Bedauern in den Köpfen der breiten Masse durchgesetzt hat!

Genau, im Duden steht nämlich „Sibylle“, während unter „Sybille“ nichts zu finden ist. Und selbst wenn „Sybille“ auch angegeben wäre, wäre noch zu bedenken, dass im Duden viele Dinge stehen, die eigentlich falsch sind, denn fast jede noch so falsche Schreibweise oder Konstruktion muss irgendwann mal im Duden erscheinen, wenn sie sich nur genügend etabliert hat. Falsch ist sie deswegen aber immer noch.

Die Nächste:

Auch wenn das humanistische Auge von Sanna schmerzt, bin ich mit meinem Namen doch sehr zufrieden. Wömöglich bin ich bisher auch keinem gebildeten Menschen begegnet-ist auch schwer als Lehrer- aber ich habe mich für mein y vorne noch nicht entschuldigen müssen. Könnte es sein, dass da jemand die eigenen schlechten Erfahrungen überträgt?

Von wegen Lehrer: Einbildung ist auch eine Bildung. Was soll das Problem mit „eigenen schlechten Erfahrungen“ zu tun haben? Ein Wunder, dass sie nicht mit dem „Neid“-Totschlagargument gekommen ist.

Und noch eine:

Ich stimme dir 100%ig zu. Da wollte jemand aber besonders schlau sein und hat voll daneben gegriffen. Sanna, erst kundig machen und dann melden.

Wieso „voll daneben gegriffen“? Bitte mal zuerst selber kundig machen und dann etwas demütiger werden!

Die falsche Verwendung des Paars „anscheinend“ und „scheinbar“ zählt zu den grössten Klassikern der deutschen Stilistik. Besonders schön fand ich die folgende Konversation im Talkback von „20min Online“:

Schreiberin A: „Ausserdem ist es (das Stillen) anscheinend für die Mutter auch ein günstiges Verhütungsmittel.“
Schreiberin B: „Schon mal einwenig gelesen, auch mit Stillen kann man schwanger werden….“ (vier Pünktchen sic!)
Schreiberin A: „schon mal ein wenig meinen Text gelesen? Ich sagte ausdrücklich „anscheinend“…..“ (fünf Pünktchen sic!)

Gut gebrüllt, Löwin, aber in diesem Fall ist eben „anscheinend“ gerade falsch, richtig wäre „scheinbar“.

Version 1: „Das Stillen ist anscheinend für die Mutter auch ein günstiges Verhütungsmittel.“ Heisst: Es ist wahrscheinlich, dass das Stillen ein günstiges Verhütungsmittel ist, es scheint mir aufgrund meiner Beobachtungen richtig. (Das sagte die Schreiberin A.)

Version 2: „Das Stillen ist scheinbar für die Mutter auch ein günstiges Verhütungsmittel.“ Heisst: Es scheint nur so, dass das Stillen ein günstiges Verhütungsmittel ist, manche denken es, aber es stimmt in Wirklichkeit nicht. (Das wollte die Schreiberin A anscheinend [sic!] sagen.)

Aber macht euch nichts daraus, diese Unterscheidung kriegen mitunter nicht einmal Professoren und Schuldirektoren richtig hin (selber gehört)!

Im Dummdeutsch-Blog betreibe ich eigentlich keine Politik, aber hier ein interessanter Beitrag zu einer aktuellen Diskussion.

Zwei Herren äussern sich im „Tages-Anzeiger“ auf der Leserbriefseite zum Thema Buchpreisbindung:

Schreiber Nr. 1:

Eine Insellösung für die Schweiz als kleinster Teil eines einheitlichen Marktes entbehrt jeder Logik. (Kasusfehler übrigens sic…)

Schreiber Nr. 2:

Ob wir es lieben oder nicht, die Welt ist zu vernetzt, als dass wir mit solchem Gärtlidenken noch bestehen können.

Nun die Quizfrage des Tages: Welcher der beiden Schreiber ist gegen, welcher für die Buchpreisbindung?

Hundschopf

Veröffentlicht: 14. Januar 2012 in Alltagsdialoge, Vermischter Schwachsinn
Schlagwörter:, , , ,

Am Radio gehört: ein Sportkommentator mit Berner Dialekt, der die markante Stelle in der Lauberhorn-Skiabfahrt mehrmals als Hund-Schopf, also mit „sch“, aussprach. Sollte es nicht vielmehr ein Hunds-Chopf sein? Im Internet finden sich jedenfalls zuhauf Übersetzungen als „dog’s head“ respektive „tête de chien“ und „testa di cane“, und das wäre irgendwie auch leichter nachvollziehbar, nicht? (Es handelt sich tatsächlich um eine Felsformation, die entfernt an einen Hundekopf erinnert…) Aber im Idiotikon findet sich ganz weit hinten im Artikel „Schopf“ tatsächlich noch die alte Bedeutung für einen Felsen oder auch einen ganzen Berg – aber was ist dann mit „dog’s head“ und „tête de chien“? Fehlsegmentierung mit entsprechender Uminterpretation?

Nebenbei habe ich im Coop noch ein Aktionsplakat für Sielberzwiebeln gesehen… Für diese Fehlschreibung braucht es aber auch viel Fantasie…

Voll Gangschalter ohne Zahlen

Veröffentlicht: 13. Dezember 2011 in Alltagsdialoge

Sehr blond, sehr aufgeregt, Fahrschülerin, Balkanakzent, im Zug:

Weisch, Mann, ich han Fuessgänger voll nöd gseh, die hend voll Lüchtbändel gha, aber han ich glich nöd gseh… Han ich wele Kuuplig (so hat sie’s ausgesprochen, ich schwör auf alles) trugge, ich so voll Panik, wo isch Kuuplig, Mann… Aber Fahrlehrer hät scho Vollbräms gmacht… – Weisch, was au so krass isch – er hät voll Gangschalter ohni Zahle, Mann!

Jesses, da kann man nur hoffen, dass die die Prüfung nie besteht… Süss 🙂

Nie so krass gewesen

Veröffentlicht: 20. November 2011 in Alltagsdialoge

Auch irgendwie ein neues Phänomen: Dreikäsehochs, die etwa halb so alt sind wie ich, schauen ihrerseits auf noch jüngere herab und sagen:

„Wo mir so alt gsi sind, sind mir nie so schlimm gsi!“ – „Nie in Lebe, ich schwör uf alles, Mann!“

Sinngemäss gleiche Konversationen habe ich in den letzten Tagen gleich einige Male mitgehört…

Dialektprobleme

Veröffentlicht: 15. November 2011 in Alltagsdialoge

Die Leute können ihren eigenen Dialekt nicht mehr…

Neunjährige Rotzbengel laufen durch die Eisenbahn, der „Anführer“, dem alle hinterhergelaufen sind, sagt:

Warum folged ihr mir?

„Folge“ heisst auf Hochdeutsch „gehorchen“.

Und aus dem Schatzchäschtli des „Blick am Abend“:

Du weisch, das du mer alles bedütisch. Sogar meh als mis Pferd. Liebdich ueber alles.

Gut, nur schon „liebe“ ist im Dialekt falsch. Das gibt’s schlicht und einfach nicht. Aber das können wir mittlerweile nicht mehr kritisieren, weil sich dieser Fehler schon dermassen ausgebreitet hat. Aber „Pferd“, das gibt’s nun wirklich nicht. Bei mir heisst das „Ross“

Muahahaha

Veröffentlicht: 9. November 2011 in Alltagsdialoge, Vermischter Schwachsinn

Kürzlich berichteten wir wieder mal über Leute, die „LOL“ rufen, statt zu lachen.

Es gibt also, wie wir heute feststellen durften, auch Leute, die in derselben Situation mit ausdruckslosem (!) Gesicht „Muahaha“ sagen…