Archiv für die Kategorie ‘Beauty/Wellness’

Visionen 2013… heisst anders zu sein als die anderen! Wir trauen uns zu, sehr kreativ zu sein.

Wenn das ein „D&D Erlebniscoiffeur“ in einer halbseitigen Anzeige in der „Zürichsee-Zeitung“ (und wahrscheinlich parallel auch in anderen Publikationen) kundtut, dann werden wir von der Dummdeutsch-Redaktion sicher mal hellhörig.

Und tatsächlich: schon bei der Adresse zeigt sich die genannte Kreativität.

NEU…an der Alten Jonasstrasse 51 in Rapperswil

Diese Strasse hat nichts mit dem biblischen „Jonas“ zu tun, sondern mit dem Partner- und Nachbarort „Jona“ – daher „Alte Jonastrasse“, bitte.

Haar hat Macht. Es sagt viel über den Typ aus. Die Art und Weise, wie man das Haar trägt, oft lässt es auf die Persönlichkeit schliessen.

Abgesehen von der holprigen Syntax – kann es sein, dass die zwei Sätze eigentlich genau dasselbe aussagen?

Es gibt viele Charaktere, die unser Haar widerspiegeln.

Sollte es nicht eigentlich umgekehrt sein? Und kann es sein, dass dieser Satz ein weiteres Mal dasselbe besagt wie die beiden vorherigen?

Diese Haartechnik kommt von London und ist absolut trendy.

Zum Glück hat er nicht „trendig“ gesagt.

Daniel Desax wird sich (…) schulen und ausbilden lassen, so dass er mit den neusten Trends wiederum einen „Schnitt“-Cut voraus ist.

Was ist ein „Schnitt“-Cut? Zumal ja engl. cut nichts anderes meint als eben einen „Schnitt“. Und warum wurde der „Schnitt“ überhaupt in Anführungs- und Schlusszeichen gesetzt? Soll das etwa ironisch gemeint sein? Gibt es eigentlich einen wesentlichen Unterschied zwischen „schulen“ und „ausbilden“?

Am Morgen aufstehen, ohne sich die Haare zu waschen und föhnen: (…) das sind doch New’s!

Brrrrrrrr!

Lassen Sie sich beraten und geben Sie Ihrer Persönlichkeit Ihren Namen, denn es gibt jeden nur einmal.

Meine Persönlichkeit trägt aber bereits meinen Namen, und das schon seit Geburt. Oder was meint der „Erlebniscoiffeur“ mit diesem doch reichlich enigmatischen Satz?

Fazit: sehr haariger Artikel!

Nun, ich verstehe schon, dass das Dolder Grand Hotel sehr stark auf eine internationale Kundschaft ausgerichtet ist und sein muss. Dennoch bin ich in Bezug auf den Sprachgebrauch eher altmodisch und meine, man sollte die Promotexte (aus einer Zeitungsannonce) entweder in Deutsch oder Englisch halten, aber im Normalfall nicht beides zugleich.

Einen grosszügigen Swimming Pool mit Aussicht in die Natur, eine Liegeterrasse mit Outdoor-Whirlpools (gut, ich gebe zu: „Aussen-Sprudelbad“ klingt nun einmal nicht halb so prickelnd), ein Dampfbad (wie trivial, kann man nicht etwas präzisieren – handelt es sich um ein Hammam, ein Caldarium oder nicht etwa sogar ein Temazcal?), ein Snowparadise zur Abkühlung (welchen Erkenntnisgewinn bietet „Snowparadise“ gegenüber „Schneeparadies“ genau?) und ein Chillout Room zum Relaxen. (kann man sich dort möglicherweise auch entspannen oder ausruhen?)

Eingebettet in warme „Pebbles“ erleben Sie in den Sunaburo Erholung nach japanischem Vorbild. (warum kann man nicht einfach „Kieselsteine“ sagen? Und warum genau sind die „Pebbles“ in Anführungs- und Schlusszeichen gesetzt, aber zum Beispiel „Sunaburo“ nicht? Nennt mich im Übrigen einen Banausen, aber warum ist Sunaburo hier als Plural gebraucht?)

Gönnen Sie sich einen Day Spa für CHF 250.00. (Happig! Am Wochenende kostet ein „Day“ sogar 380.00. Danke für Obst! Zuhause habe ich eine gut funktionierende Sauna mit Dusche und daneben einen sehr gemütlichen Chillout-Room [besser bekannt als „Schlafzimmer“], aber wer mehr braucht – bitte...) Der Eintrittspreis entspricht einem Guthaben, das für Treatments eingesetzt werden kann. (gilt das Guthaben auch für „Behandlungen“? Ich will es doch sehr hoffen!)

 

Im Nachbardorf bietet ein Kosmetik-Laden laut Reklametafel an:

Fuss-Frech

Das weiss sogar ich, dass das anders heisst, und das will was heissen! Und trägt das überhaupt noch irgendwer ausser Provinz-Coiffeusen und Solariumbetreiberinnen? Als besonders frech kann man das also auch nicht mehr bezeichnen.

Grippe im Fokus

Veröffentlicht: 29. September 2011 in Beauty/Wellness, Journalismus und Printmedien

Im Vista-Gesundheitsmagazin äussern sich zwei Mediziner zur Grippeimpfung. Auffällig ist, dass der Vertreter der sogenannten „Schulmedizin“ fast keine sprachlichen Fehler aufweist, der Naturheilpraktiker jedoch massenweise (Kasusfehler, sehr abenteuerliche Kommasetzung). Haben die beiden die Fragen wohl schriftlich beantwortet und die Antworten wurden von der Redaktion nicht oder nur sehr unsorgfältig redigiert? Wer hat andere Hypothesen?

Da heisst es also zum Beispiel:

Was passiert wenn ich einen gesunden Menschen mit biochemischen Material belaste, auf das der Mensch gar nicht vorbereitet ist?

Nicht der kranke Mensch wird behandelt sondern gesunde Menschen werden mit Konservierungsstoffen die teilweise hochtoxisch und krebsauslösenden sind gefüttert.

Kommata würden das Lesen hier definitiv erleichtern (wobei der Kasusfehler bei „krebsauslösenden“ auch nicht gerade zur leichten Lesbarkeit beiträgt)…

Es stellt sich die Frage bei tausenden von Möglichkeiten von Grippeviren wie sinnvoll es ist auf maximal drei zu impfen.

Hier wären mal die bisher aufkumulierten fehlenden Kommata. Bitte selber an geeigneter Stelle einsetzen: , , , , , ,

Daher ist es eine Pflicht des Arztes seinen Patienten ausführlich darüber ins Bild zusetzen. (…) Es ist eine Tatsache das (autsch!) es keine unabhängige Studien gibt, die den Nutzen wirksam belegen. Die meisten Patienten die ich in meiner Praxis sehe sind nach den Impfungen meist langandauernd „kränkelnd“.

Hier zwischendurch nochmals die fehlenden Kommata: , , , ,

Eine optimale Versorgung mit Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen wirken sich ebenfalls positiv aus. (Kongruenzfehler à la WBG-Style!)

Meide schädliches! Iss, trink, tue nützliches, scheide schädliches aus! (Gross-/Kleinschreibung?)

Der Salon princess in Schübelbach hat ein Schild am Gebäude anbringen lassen, worauf man nachlesen kann, was für Dienstleistungen angeboten werden. Da steht zu lesen:

Haire – cosmetic’s

Schmerzt richtig! Aber warum kann man die Sache nicht vielleicht erst mal überprüfen lassen, bevor solch ein Schild für teures Geld angefertigt wird? Mal abgesehen davon, dass das Englisch hier sowieso ganz unnötig ist…

„Aphthen“ ist ein schwieriges Wort, zweifellos. Nur von einem Facharzt von Dermatologie würde man erwarten, dass er es in der Themenzeitung „Mundgesundheit“ richtig hinkriegt. Doch weit gefehlt: in dem langen Artikel wird munter zwischen „Aphthen“ und „Aphten“ hin und her gesprungen. Das ist aber noch längst nicht alles:

Vom Erscheinungsbild her gibt es zwei Arten von Aphten (sic). Die kleinen, Minor Typ genannt und die grösseren, welche Major Typ heissen.

Welch unglaubliche Erkenntnis, die kleineren werden Minor Typ genannt und die grösseren heissen Major Typ. Geradezu genial! Hätte ich nie gedacht!

Bei den kleineren Aphthen vom Minor Typ ist eine Grösse von weniger als 10mm typisch und treten meist in der vorderen Mundhöhle auf.

Toller Anakoluth.

Man kann aber davon ausgehen, dass eine Bestandesdauer von weniger als 10 Tagen haben.

Fehlendes Subjekt.

Auf der anderen Seite muss von Aphten (sic) des sogenannten Major Typs unterschieden werden.

Was muss genau wovon unterschieden werden?

Grössentechnisch kann man von wenigen Millimetern ausgehen.

Grössentechnisch. Soso. Und dummheitstechnisch haben wir heute alles ausgereizt.

Es gibt Fälle, in denen fremdsprachige Wörter bei der Übertragung in andere Sprachen einfach ungünstige Assoziationen wecken können. So auch bei diesem Mittelchen, welches von „The Body Shop“ beworben wird:

Lässt der Sandmann wieder auf sich warten? Einfach ein paar Spritzer des Deep Sleep Pillow Mists auf das Kopfkissen geben.

Ich weiss nicht, ich weiss nicht… Da hole ich mir doch lieber Mist vom Bauernhof gegenüber, das kommt billiger.

Das Post Hotel Weggis, abgekürzt POHO, wirbt mit folgendem Infotext für sich und schafft es, in wirklich jede hinterste und letzte Worthülsenfalle hineinzutappen, Phrasendresching der extremen Art:

„Das POHO in Weggis verbindet urbanen Lifestyle mit purem Genuss. (…) Jedes der 45 Zimmer ist ein individueller Chillout Room – mit Balkon und Entertainment, das keine Wünsche offen lässt. Zum Abschalten lädt der trendige Spa mit Pool, Sauna, Dampfbad, Solarium und Relax Room ein. Das moderne Gym und das Lakeside Center mit einem grossen Angebot an Wassersportarten und Bike-Verleih (Veloverleih würde ja viel zu schnöde klingen…) bringt Sie wieder auf Touren. Die POHO Dining Lounge bietet aussergewöhnliche Tapas- und Pasta-Kreationen, (Achtung, jetzt kommt der krasse Kontrast:) während im gemütlichen Weggiser Stübli währschafte Kost von Bratwurst über Bauernrösti bis hin zum Fondue serviert wird. Die POHO Bar und der POHO Wine Cellar mit über 500 Weinsorten runden das Angebot ab.“

Und der POHO Advertisement and Creativity-Heini hat sich hier mal voll ausgetobt. Das ist der POHO State of Mind.

Nur schon dieses „trendig“ – jeder, der dieses Wort verwendet, sollte eigentlich geteert und gefedert werden. Und nachher gerädert und gevierteilt.

Das Studio „Art of M3“ wirbt für seine Beauty-Dienstleistungen:

Wir bieten an: Akne, Mimik Falten (sic!), Cellulite, Altersfalten (…)

Da stelle ich mir den Dialog vor: „Guten Tag, ich hätt‘ gern Akne.“  – „Gern, wieviel darf’s denn sein?“

Der nachfolgende Versuch, mit Fremdwörtern zu beeindrucken, geht auch ein bisschen in die Hose:

Das alles erreichen wir mit: (…) Elektrostimmulanz, Dermopunktur, (…) und Elektroakupuntur.

Gut, bei der „Dermopunktur“ (verbreiteter ist die Form „Dermapunktur“) kann das Studio im Grunde nichts dafür, die falsche Form hat sich anscheinend allgemein eingebürgert. Aber warum wohl heisst in der „richtigen“ Medizin der Bereich der Hauterkrankungen „Dermatologie“ und nicht etwa „Dermalogie“ oder „Dermologie“? Richtig, weil die Haut auf Griechisch to derma, Gen. dermatos heisst. Ein kleiner Lichtblick: Immerhin 6 Suchtreffer gibt es bei Google auch für die korrekte Form „Dermatopunktur“!

Teufelszunge

Veröffentlicht: 6. Januar 2010 in Beauty/Wellness, Marketing und Werbung

Oh ja, wieder mal eine neue Schlank-Medizin.

Das Geheimnis von PlantoSlim sind die Inhaltsstoffe: Jede Kapsel enthält naturgesunde (sic!) pflanzlichen Ex-trakt (sic!) aus der Knolle der Teufelszunge (Amorphallus Konjac). Die Schlankwirkung dieser seltenen Pflanzenart ist in Asiens Naturmedizin schon lange bekannt. PlantoSlim enthält keine Chemie – nur Pflanzenkraft.

Klar, die Teufelszunge ist selten. So selten, dass sie in Japan verbreitet in der Lebensmittelindustrie eingesetzt wird. Das Mehl aus der Wurzel wird selbst in der EU als offizieller Lebensmittelzusatz E 425 gehandelt (pflanzliches Verdickungs- und Geliermittel). In Wasser quillt das Mehl auf und wird zu einem festen Gel. Dasselbe passiert wahrscheinlich auch im Magen, worauf letztlich die ganze „Pflanzenkraft“ und „Schlankwirkung“ basiert. Gefunden habe ich aber auch: „Konjak kann bei übermäßigem Verzehr zu Blähungen, Bauchkrämpfen und Durchfall führen und die Aufnahme wichtiger Nährstoffe verhindern.“ Klar, das ist auch eine Art, abzunehmen, und sicher sehr gesund.

Scharf ist aber auch der „Amorphallus“ (Liebes-Phallus). Leute: Korrekt heisst der wissenschaftliche Name Amorphophallus! (was zwar auch nicht viel besser ist, das heisst nämlich „unförmiger, missgebildeter Phallus“)