Archiv für die Kategorie ‘Gastrokritiken WBG’

Wie schön, dass WBG mit seiner Seite im „Züritipp“ ab heute wieder da ist. Leider hat diesmal noch kein Gastronom eine Publireportage gebucht, doch immerhin ist schon mal eine Vorschau auf das „24. Internationale Dixie and Blues Festival Zürich“ vorhanden:

Vom 12. bis 29. April ist die Domäne von hochmotivierten Musikern jeden Alters.

Wie ging das mit der Domäne nochmals? (Und diese Phrase von „hochmotiviert“ könnte man sich auch langsam mal schenken.)

In der von WBG unterhaltenen „Nachtbörse“ findet sich folgendes Juwel:

Nonchalance ist Vera als Gastgeberin und jubilierte im Januar zum 4-jährigen Jubiläum.

Das ist gar nicht schlecht mit der viermaligen Alliteration (Stabreim). Wirklich gelungen! Kommt noch hinzu die schöne figura etymologica in „jubilierte (…) zum Jubiläum“. Aber seit wann ist eigentlich Nonchalance ein positives Attribut?

Und dann: Kein „Gorkis Nachtasyl“, sondern „Sexypeel“ mit den Bartöchtern Oxana, Michaela sowie Oxana2. (sic!)

Sexypeel? Naja, wem’s gefällt – im Allgemeinen wird wohl Orangenhaut nicht spezifisch als sexy empfunden. Und überhaupt heisst die wohl auf Englisch cellulite. Da gab’s doch von den Kinks noch einen Song Cellulite Heroes? Nein, der hiess doch anders. (Das gesuchte Fremdwort hätte wohl „Sex-Appeal“ sein sollen…)

Nach langer Wartezeit wieder Frisches von WBG:

Gleichbleibende Konstanz sowie die Beliebtheit des „Blockhus“ ist die Stube für Passagiere aller Klassen.

Was soll „gleichbleibende Konstanz“ sein? Gibt es denn auch Konstanz, die nicht gleich bleibt? Und: ich glaube ja eher, dass das „Blockhus“ selber die Stube für die „Passagiere“ (komisch, die Gäste in einem Restaurant als Passagiere zu titulieren) ist und nicht seine Beliebtheit.

WBG in guter Form:

Die Idee ist intelligent durchdacht worden, haben doch die Deutschen den grössten Ausländeranteil in Zürich – und die wollen sich „zuhause“ fühlen.

Erstens: kann man eine Idee auch unintelligent durchdenken? Zweitens: Die Deutschen haben nicht den grössten Ausländeranteil in Zürich, da sie ja selber Ausländer sind, sondern sie stellen den grössten Ausländeranteil. Drittens: Fehlüberlegung. WBG meint, der Bayerische Hof sei in erster Linie dazu da, dass sich die Deutschen zuhause fühlen können. Aber: Bayern ist nicht gleich Deutschland, und es gibt sehr viele Regionen in Deutschland, die mit den bayerischen Küchentraditionen nichts, aber auch gar nichts am Hut haben. (Das wäre so, wie wenn jemand in New York ein Tessiner Grotto einrichten würde, damit sich ein Romanshorner dort zuhause fühlt genauso wie ein Jurassier.)

Ein Original Bierbrunnen

Was ist denn ein „Nicht-Original“ Bierbrunnen?

Der Spruch „Genuss für Leib und Seele“ ist beispielsweise der Bayerische Sonntagsbrunch.

Aha.

Wunderbare Syntax nach hausgemachtem WBG-Rezept:

Während 4-5 Tagen in einer Marinade mit Zwiebeln, Äpfeln usw. eingelegt kann als das beste Rotkraut bezeichnet werden – dass ich je gekostet habe.

Jetzt zu den Wildgeschichten:

Die Neuentdeckung einer Pizza nach Jägerart lässt aufhorchen. Diese Gerichte werden 3x mehr verkauft wie z.B. Rehschnitzel an Wildrahmsauce mit frischen Eierschwämmen.

Hand aufs Herz, verstehen Sie wirklich, was WBG hier sagen will? Ich nicht!

Das Probiermenü besteht aus hausgemachten Ravioli (…) und den frischen Nudeln mit Rehfleisch „Art Würfeln“.

Hä? (Es geht darum, dass das Rehfleisch in Würfel geschnitten ist.)

Die Safransauce dominierte nur leicht.

Kann man wirklich nur leicht dominieren? Kann eine Frau nur ein bisschen schwanger sein?

Der Spinat ist gut im Biss, das optisch in der Farbe Grün „satt“, verrät frische Zubereitung.

Da verstehen wir endgültig nur noch Bahnhof.

Besonders lobenswert ist die Reinlichkeit von Restaurant und Toilette.

Gehört das wirklich in eine Restaurantkritik?  (Und sollte das nicht eine Selbstverständlichkeit sein?)

WBG berichtet heute über die erstaunliche erweiterte Wildtrilogie:

… im Sinne der Wild-Trilogie, welche für diese Saison um einige Gerichte erweitert worden ist.

Eine Trilogie besteht immer aus exakt drei Teilen und ist nicht erweiterbar, ganz sicher!

Die mir in kleinen Portionen servierten Wildspezialitäten, beginnend mit hausgemachter Wildterrine – ist sehr mundend!

Darf’s noch ein Anakoluth sein?

Dies weckt den Gaumen mit Hochgenuss. (Jedoch bitte ohne Brotcroutons, Anm. d. Red.)

Ich verstehe den Sinn des Zusatzes „Anm. d. Red.“ im Allgemeinen durchaus, jedoch hier ist er komplett überflüssig und sinnlos, denn uns allen ist ja klar, dass der gesamte Text von niemand anderem als der „Red.“ verfasst worden ist, oder von wem denn sonst? Und wenn man schon so korrekt ist, dass man den im deutschen Sprachgebrauch häufig nicht gesetzten Accent aigu bei „Médaillon“ verwendet, dann bitteschön auch „Croûtons“. („Brotcroûtons“ ist übrigens ein Pleonasmus vom Kaliber „Weisser Schimmel“.) Ganz nebenbei gesagt: Persönliche Vorlieben dieser Art gehören ganz sicher nicht in eine Restaurantkritik, wenn die Verwendung dieser Zutat in derartigen Gerichten traditionell üblich ist, was man hier wohl mit Fug behaupten kann.

Die dazu gehörende italienische Esskultur ist speziell, denn das Restaurant ist seit Jahrzehnten erfolgreich, ohne im Ganzen eingebüsst zu haben.

Textlogik und -kohärenz?

Novum pur

Veröffentlicht: 2. September 2011 in Gastrokritiken WBG, Journalismus und Printmedien

WBG-Style pur:

Die vom japanischen Sushi-Meister (…) zubereiteten Sushi-Spezialitäten erheben den Anspruch kreativ, traditionell gepaart mit inspirierten Kreationen nach alten Rezepturen aus Japan.

Puh, diese Eloquenz – da bleiben nur Fragezeichen.

Die „Ess-Trends“ – mundgerechte „Sushihäppchen“ (…) – sind ein Novum pur!

Mit Verlaub – Sushihäppchen im Jahre 2011 als eine Pionierleistung anzupreisen, scheint mir doch ein wenig weltfremd zu sein, und ein „Novum pur“ ist dies schon gar nicht…

Verschiedene indische Curries (…) sind an Akzeptanz und Beliebtheit durchaus nachvollziehbar.

Belieben zu entschuldigen?

WBG ist nach Sommerpause wieder in voller Aktion! Heute schreibt er gleich über zwei Inder, wobei wir einige witzige Stilblüten nicht übergehen wollen. In grossen Lettern wird getitelt:

HEUTE, 25. AUGUST NEUERÖFNUNG

Autsch! Und weiter geht’s:

Sein Fachwissen (…) erlaubt ihm nun, an optimal gut frequentierter Lage, den 2. Betrieb in Betrieb zu nehmen.

„optimal“ ist im Prinzip ein Superlativ zu „gut“, somit ist „optimal gut“ ein Pleonasmus, „optimal frequentiert“ würde reichen. Und sehr schön auch: „den 2. Betrieb in Betrieb zu nehmen“. Weiter:

z.B. Dosa ein südindischer Pfannkuchen, der optisch gesehen einer Pyramide ähnlich ist.

Optisch gesehen, akustisch gehört, olfaktorisch gerochen, haptisch ertastet? Pleonasmenfestival! Wie auch immer, das, was ich auf dem Bild sehe, ist „optisch gesehen“ eher kegel- denn pyramidenförmig, aber Geometrie ist schliesslich nicht jedermanns Sache…

Wenigstens ab und zu sieht WBG selber ein, dass alles etwas chaotisch ist. In diesem Fall ist es ein hyperkreativer Beizer, der für WBG natürlich ein gefundenes Fressen ist:

Ein Auszug einer Karte ist „Movie’s seven for seven teen-seventy“, mit einem Menü, welches sich „007 James Bond“ oder „Bud Spencer“, „Captain Nemo“ sowie „Dick und Doof“ bezeichnet.

Das ist allerdings ziemlich dämlich. Und das Menü „Dick und Doof“ besteht wahrscheinlich aus fünf XXXXL-Hamburgern und 3-Liter-Colabecher, das Menü „Bud Spencer“ aus einem Rindssteak Marke Elefant. „Captain Nemo“ ist ein Clownfisch-Filet. Das „Movie’s seven for seven teen-seventy“ würde ich auch mal schwer überdenken.

Oder die Vision des Restaurant nennt sich States meets Switzerland.

Bei „meets“ können wir das s wegnehmen und andernorts hinzufügen, dann stimmt’s wieder…

Crossover Cucina Terra Nova – „Liberty Seven“, alles etwas chaotisch, oder?

In der Tat, in der Tat, ein wahres Wort…

Da müssen Sie hingehen, denn das Essen isst sich so leicht, wie das Aussprechen des Wortes „Liberty“ ist…

Aber das ist geradezu genial: eine Gastrokritik, aus der ich wohl erfahre, dass das Menü „Dick und Doof“, „Bud Spencer“ etc. heisst; was man dort aber schlussendlich auf dem Teller hat, erfährt man nicht…

In der „Nachtbörse“ im Tages-Anzeiger, die ebenfalls von WBG betreut wird, fanden wir folgendes:

Internationale Megagirl’s. Sich frei und entspannt fühlen im Herzen Zürich’s!

Super!

Zum nächsten Fund:

Ihr Künstlername ist „Claire“. Sie hat eine „bäumige“ Figur und vor allem Anstand und spricht ausgezeichnet Deutsch. (…) Mit ihren dunklen Haaren kann man sagen „Oh la la…“. Hin und wieder hat sie den Ausdruck eines Lachens und schnalzt immer wieder mit der Zunge, als ob sie am „verdursten“ ist.

Hm, das klingt nun eher lächerlich als irgendetwas anderes.

Dies wirkt noch sympathischer, eine tatsächlich schöne Claire, mit der man Stunden verbringen könnte; dies jedoch kostet so seinen „Bazen“. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus, denn für den nächsten Monat hat Claire noch keinen Agenturvertrag, hart sind die Zeiten…

Und soll ich nun Mitleid haben mit dieser Claire, oder was? Und was ist überhaupt die Intention des ganzen Berichts?