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Köttbullars für Mentees

Veröffentlicht: 15. Juli 2010 in Kader-/Managementdeutsch

Höchst interessant:

Businesslunch bei Köttbullars: als Mentee von Sascha Zahnd, Head of Supply Asia/Pacific bei IKEA.
Im Rahmen des Mentorprogramms „Young Leader“, initiiert von ALPHA.CH, SIB und Swiss Leadership Forum, gibt Sascha Zahnd (…) wertvolle Wirtschafts-Nachhilfe.

Köttbullars: analog zu Spaghettis, Lasagnes und Raviolis gebildet? bullar ist bereits ein Plural, und zwar zu bulle. Für diejenigen, die kött irgendwie unappetitlich finden, kann ich Entwarnung geben, denn das heisst schlicht Fleisch, und das k in diesem Wort wird auch eher als sch ausgesprochen.

Mentee ist nun von der Wortbildung her eine absolut unmögliche Schöpfung. Ich vermute, dass es in Analogie zu dem Begriff Trainee gebildet wurde: Trainee = Teilnehmer eines Kadertrainings, also Mentee = Teilnehmer eines Mentoratsprogramms. Übersehen wird jedoch, dass es ein franz. Verb traîner gibt, wovon man regelgerecht das Partizip traîné/e bilden kann. Aber menter? Nein! Da fällt mir höchstens mentir ein, wonach ein Mentee einer wäre, der systematisch belogen wird???? Das ist natürlich Quatsch, in jeder Hinsicht.
Wussten Sie übrigens, dass der Begriff „Mentor“ aus Homers Odyssee stammt? So heisst dort ein Freund des Odysseus, in dessen Gestalt die Göttin Athene Odysseus‘ Sohn Telemachos auf der Suche nach seinem Vater begleitete. Es handelt sich um einen sprechenden Namen, der eigentlich sowas wie „Denker“ bedeutet. Ist das nicht toll? Begriffe aus der Odyssee, dem nach der Ilias zweitältesten erhaltenen literarischen Werk des gesamten westlichen Kulturkreises, sind in der Wirtschaftswelt noch lebendig und werden sogar in höchst sprachkreativer Manier noch weiterentwickelt zum „Mentee“. Und da behaupten Leute noch, Latein und Altgriechisch seien „tote“ Sprachen…

Noch ein dritter Kommentar für heute: „Young Leader“ – übersetzen Sie das mal direkt ins Deutsche. Im Deutschen gäbe das reihenweise rote Köpfe. Wenn man das jedoch auf Englisch sagt, geht es plötzlich. Wieso eigentlich?

Ich verstehe schon, warum man an einem Schweizer Institut MBA-Studienprogramme ganz in englischer Sprache anbietet. Wenn dieses Institut aber in einem ganzseitigen Zeitungsinserat nur so mit Reiz- und Schlagwörtern um sich wirft, dann gehört dies ganz klar in den Dummdeutsch-Bereich: Phrasendrescherei hoch drei. Genau das ist es, was heute Führungs- und Managementkräfte doch nach Möglichkeit vermeiden sollten, um wieder authentisch rüberzukommen.

Ich fasse zusammen (Hervorhebungen stets von mir):

Globaler Hub für Entscheidungsträger

Weltweite Businesspraxis, kombiniert mit wissenschaftlich fundierter Managementtheorie – dies ist das Credo des Lorange Institute of Business Zurich. (Unter einem Credo verstehe ich persönlich eher etwas anderes.)
(…) entstehen erfolgreiche Innovationen, die ein profitables (!) und nachhaltiges (!) Wachstum (!) sicherstellen. (…)
Angeboten werden Graduate Degree Programs (…) sowie kompakte Advanced Management Programs. Entsprechend qualifizierte und motivierte Executives erhalten dadurch die Chance, sich für ein Degree Program zu qualifizieren (Wieso müssen die sich noch qualifizieren, die sind doch schon qualifiziert, wurde im gleichen Satz gesagt…)
Ein weiterer Angebotsfächer betrifft die Corporate Programs (…)
Das Lorange Institute of Business Zurich versteht sich denn auch ausdrücklich als weltweiter Meeting Place und Drehkreuz für Manager. (…)
Dieser globale Approach widerspiegelt sich (…)
Entsprechend dem globalen Fokus des Lorange Institute of Business Zurich ist die Unterrichtssprache Englisch.
Mehrere Jahre Managementerfahrung ist Voraussetzung (sollte es nicht „sind Voraussetzung“ lauten?), wenn man die Studienprogramme (vorher hiess es doch immer „Degree Program“? Wieso plötzlich so inkonsequent?) des Executive Master of Business Administration und der insgesamt sechs Master (sic) of Science in Business Administration absolviert. Erfolgreiche Absolventen erwerben zwei Degrees: eines (das Degree?) vom Lorange Institute of Business Zurich und eines von der University of Wales, Grossbritannien (UK heisst das, wenn schon, Jungs! Konsequent sein!).
Ausgewiesene Part-Time-Professoren mit internationalem (warum nicht globalem?) Background (…)
Die Teilnehmenden werden sensibilisiert für die vorherrschenden Businesszyklen; deren frühzeitiges Erkennen und deren erfolgreiche Bewältigung sind matchentscheidend (Sportmetapher in der Businesswelt, auch gut… Business als nicht so ganz ernstes Spielchen, it’s only a game with global players, and some are winners and some are losers)
Das Lorange Institute of Business Zurich hat einen weltweiten (kommt schon, bringt nochmals das Reizwort „global“!) Fokus und richtet sich deshalb an die globale (aha, also doch noch!) Business Community.

Ach ja, und falls sich die geneigte Leserschaft jetzt fragt, wo sich dieses Lorange Institute of Business Zurich befindet, es befindet sich nicht etwa in Zurich, sondern … in Horgen. Leider wird nicht gesagt, ob Horgen im Kt. SZ oder Kt. ZH gemeint ist (siehe Artikel über das Hingis-Domizil)!

Die Kaderstellenvermittlung Experteer preist ihre Dienstleistungen an:

Exklusive Kaderstellen mit Gehaltsbenchmarks ab 120.000 CHF. Finden Sie jetzt Ihre neue Stelle!

Bei der Online-Stellensuche kann man als erstes die gewünschte „Gehaltsbenchmark“ von 120 K bis >300 K eingeben. Daraus schliesse ich, dass für die angesprochene Klientel die „Gehaltsbenchmark“ offenbar das erste Kriterium bei der Jobsuche ist. Und weil man sich dafür eben doch ein klein wenig schämt, nennt man das dann neudeutsch elegant verbrämt „Gehaltsbenchmark“ statt schnöd „Gehalt“ oder „Salär“ (geschweige denn „Verdienst“, wenn wir doch noch kurz ketzerisch werden dürfen). Tolle Worthülse, „Benchmark“ meint ja im Allgemeinen eine Art Referenzwert, bringt also in diesem konkreten Fall nicht den geringsten Sinnzuwachs.

Dafür kriegt man dann solche Stellenangebote wie „Executive Search Berater Schweiz“ oder „Head IT Risk Control Officer“, was ja zweifellos sehr interessante Positionen sind.

Und bevor irgendwer mit einem solchen Vorwurf an mich gerät: Nein, ich bin nicht neidisch auf Leute in solchen Positionen!

Der Wunsch, etwas zu wollen

Veröffentlicht: 20. Dezember 2009 in Kader-/Managementdeutsch

Einst sehr ergiebig für Dummdeutsch-Beiträge war der Kader-Stellenanzeiger ALPHA – „Alpha“ wie „Alphatier“. In jüngster Zeit haben sich die Verantwortlichen aber etwas zurückgenommen. Doch am 19.12. fand sich folgender sehr schöner Satz in einem Artikel eines Felix Frei, mit dessen Stossrichtung ich ansonsten zwar im Grossen und Ganzen einverstanden war…

Der Wunsch, HR-Ziele im Griff haben zu wollen führt dazu, dass entsprechenden Instrumenten eine Bedeutung zugesprochen wird, die mehr Wunsch denn Realität ist.

Also, „der Wunsch, etwas zu wollen“ geht schon mal gar nicht. „Ich verspüre den Wunsch, essen zu wollen“? Und sonst alles klar? Beachte: Kommasetzung, Wortwiederholungen… Schön!