Archiv für die Kategorie ‘Marketing und Werbung’

Die Chemie stimmt

Veröffentlicht: 12. Mai 2016 in Marketing und Werbung

In einer Publireportage wird eine Reinigungsfirma porträtiert, deren hauptsächlicher Clou in einer „chemiefreien Gebäudereinigung“ liegt – wie auch immer man sich das vorstellen mag, schliesslich ist z. B. blosses Wasser letztlich auch nur Chemie.

Unten in einem Kasten wird dann auch ein Referenzkunde vorgestellt, der als erstes gleich zu Protokoll gibt: „Unsere Chemie (…) stimmte von Anfang an, als ich dieses Unternehmen persönlich besuchte.“

Also was jetzt? Kann in einem „chemiefrei“ arbeitenden Unternehmen trotzdem die Chemie stimmen?

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Holzfakel

Veröffentlicht: 25. April 2016 in Marketing und Werbung

Herrlicher Fund aus dem Seedamm-Center. Manor verkündet in der dortigen Filiale auf Aktionsplakaten:

Holzfakel klein (…), Kerzen widerkaufbar

Nicht einmal mit ie wäre „widerkaufbar“ ein existierendes deutsches Wort. Und dasselbe Wunderbare „widerholt“ sich natürlich, wie könnte es anders sein, auch bei der „Holzfakel gross“.

Eine Spezialitätenmetzgerei aus Einsiedeln warb folgendermassen für ihren Stand am Weihnachtsmarkt im Klosterdorf:

An unserem Spezialitäten-Stand im Oberdorf stellen wir unsere neuesten Salami und Trockenfleisch Spezialitäten vor und können dort alle Degustiert werden.

Kannibalismus am Weihnachtsmarkt? Passt!

Wenn Sie schon immer mal wissen wollten, wieviele Fehler man in einem einzigen Wort machen kann, dann sollten Sie mal den Praktikus-Katalog studieren. Da steht:

Es gibt nichts romantischeres (sic!), als sich nach einem Spaziergang bei selbst gebratenen Maroni’s und einem Glas Wein auszuruhen.

Die korrekte (und auch die in der Schweiz übliche) Schreibweise der gebratenen Kastanienfrüchte ist Marroni, mit zwei r. Das Plural-s ist ohnehin überflüssig, da „Marroni“ bereits ein Plural ist (wie Ravioli, Spaghetti, Gnocchi, Tortellini und so weiter), und das Plural-s wird auch niemals mit einem Apostroph abgetrennt: der klassische Deppen-Apostroph. Sogar im Englischen wäre dieser Apostroph falsch, da er nur vor einem Genitiv-s gesetzt wird.

Aber dazu passt vielleicht auch das balletttanzende Rentier im Tutu und Spitzenschuhen (so einen Schmarren bietet Praktikus wirklich an!), von dem die doch tatsächlich schreiben:

Dancer tänzelt fröhlich auf sehr hohen Absätzen.

Seit wann tanzt man beim Ballett auf sehr hohen Absätzen? Haben die noch nie Ballett-Spitzenschuhe gesehen? Unglaublich. Und dann kostet der Schmarren noch satte Fr. 139.–!

Coop bietet gegenwärtig wieder Weinachtsguetzli an. Mein lieber Scholli, das hat nichts mit dem Weinglas zu tun, in das einige an diesem Fest zu tief hineingucken, und auch nichts mit Weinen, weil es für viele Leute ein so trauriges Fest ist.

Und nebenbei gesagt begreife ich nach wie vor nicht, warum so viele Leute heute offenbar das Gefühl haben, man müsse „willkommen“ in „Herzlich willkommen“ gross schreiben. So wird man am Einsiedler Weihnachtsmarkt (und nicht Weinachtsmarkt, obwohl hier hektoliterweise Glühwein ausgeschenkt wird) auf beiden Seiten pompös begrüsst mit Herzlich Willkommen.

Tafelporzellan

Veröffentlicht: 27. November 2013 in Marketing und Werbung
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SPAR hat gegenwärtig eine Treueaktion für zeitlos modernes Tafelporzellan.

Kann es sein, dass die die Bedeutung von „zeitlos“ so ziemlich missverstanden haben? Was heute modern ist, ist morgen veraltet. Was morgen modern ist, ist heute futuristisch oder „der Zeit voraus“. Was gestern modern war und heute veraltet ist, wird vielleicht morgen retro sein. Was jedoch zeitlos ist, das ist nie veraltet und damit auch nie modern!

Auserwählte Filialen

Veröffentlicht: 14. November 2013 in Marketing und Werbung

Ein Fehler, der in letzter Zeit ein wenig um sich gegriffen hat, erscheint auch in einer Publikation von Coop:

10% Weihnachtsrabatt auf das ganz (sic!) Non-Food-Sortiment in auserwählten Filialen.

Sind diese Filialen von Gott auserwählt oder was? Im Alltag sagt man sonst höchstens noch bei einem Liebespaar scherzhaft, sie sei seine „Auserwählte“. In Kontexten wie dem obigen lautet die korrekte Formulierung „in ausgewählten Filialen“. Der Fehler ist typisch für PR-Leute, die sich gerne stilistisch gehoben ausdrücken möchten, aber es einfach nicht draufhaben.

Mund vs. Muul

Veröffentlicht: 6. November 2013 in Marketing und Werbung
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Ausgerechnet bei Coop, der unlängst mit dem missglückten Grill-Slogan „Das chame grille“ auffiel, ist in den Läden gegenwärtig eine Werbedurchsage zu Mundwassern zu hören, die vermeintlich in Dialekt gehalten ist:

Mit Zääbutze pfläged Si iire Mund nur halb.

Weiter wird in der Durchsage noch mehrere Male das Wort „Mund“ verwendet. Wahrscheinlich meint Coop aus mir unerfindlichen Gründen, dass „Muul“ stilistisch zweifelhaft und daher zu meiden sei.

In der Standardsprache wird „Maul“ üblicherweise beim Tier gesagt („Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.“), beim Menschen nur umgangssprachlich oder pejorativ. Das gilt aber in der Schweiz nicht. In den als typisch empfundenen Schweizer Dialekten heisst es stets „Muul“ (respektive lautliche Varianten davon) – mir ist „Mund“ im Dialekt wirklich noch nie begegnet. Nicht einmal der Zahnarzt sagt in der Schweiz: „Jetz wämmer emal in iire Mund ineluege.“

Die „Obersee Nachrichten“ vom 18.7.2013 berichten über den neusten Besitzerwechsel des Rapperswiler Restaurants Falkenburg:

Danach moutierte es zur Gourmetbeiz.

Heisst „moutieren“ von und nach Moutier umziehen? Oder ist es ein Gastro-Fachbegriff für „mit Senf bestreichen“ (fr. moutarde)? Nein, das ist natürlich alles Quatsch.

Der neue Name des Restaurants ist aber besonders interessant:

Ab Ende September heisst das Lokal „sanus viventium“, was übersetzt gesundes Leben bedeutet.

In welcher Sprache bitteschön soll das „gesundes Leben“ bedeuten? In Latein auf jeden Fall nicht, denn da passt gar nichts zusammen. viventium ist der Genitiv Plural des Partizips Präsens Aktiv von vivere – das heisst zwar tatsächlich „leben“, aber diese Form ergibt beim besten Willen keinen Sinn, zumal sanus in der maskulinen Form gebraucht ist und dadurch auch noch hilflos in der Luft hängt. Eine plumpe Behelfsübersetzung des Restaurantnamens lautet: „Der Gesunde der Lebenden“. Klingt absurd? Genau.

Wie kommen die Restaurantbetreiber auf eine so absurde lateinische Formulierung für „gesundes Leben“? Wir haben recherchiert: Google findet ein Restaurant gleichen Namens in Peru; es gibt einen Personal-Trainer-Service namens Sanus Viventium Hidalgo, und schliesslich hat ein gewisser Christopher A. B. Etiko eine Website mit Ernährungsinformationen namens „sanuvi“ entwickelt, das sich von „sanus viventium“ herleitet, was gemäss diesem Herrn Etiko „gesund leben“ heisst. Nur wer mit diesem „sanus viventium“-Quatsch angefangen hat, ist mir nicht ganz klar…

Was ist hier bei der Beschriftung eines Firmenfahrzeugs eines Unternehmens, das sich durchaus im gehobenen Segment bewegt, schiefgegangen?

GARTENMÖBEL, PFLANZEN, TERRASSEN IN EINER STILLVOLLEN ATMOSPHÄHRE

Aua.