Archiv für die Kategorie ‘RailAway’

Paradiesische Sphären

Veröffentlicht: 7. Januar 2010 in Marketing und Werbung, RailAway

Über die äusserst kuriose Werbung von der SBB-Tochter RailAway haben wir uns ja hier schon öfters ausgelassen… Jetzt gibt es wieder mal Neues von RailAway:

Der Glacier Express ist die berühmteste Bahn der Welt.

Falsch, der Glacier Express ist keine Bahn, sondern ein Zug! Das gibt uns ziemlich zu denken, wenn nicht einmal die SBB-Tochter RailAway den Unterschied zwischen einer Bahn und einem Zug kennt. 

Zweiter Fehler: Woran kann man messen, welches die berühmteste Bahn oder der berühmteste Zug der Welt sein soll? Wie haben sich die Verantwortlichen vergewissert, dass nicht vielleicht der Orient-Express oder die Transsibirische Eisenbahn doch noch ein kleines bisschen berühmter ist?

Tatsächlich wird in der Werbung genauso gesagt, dass die Transsibirische die berühmteste Bahn der Welt sei. Und wiederum anderswo kann man lesen, dass die berühmteste Bahn der Schweiz wahlweise die Gotthardbahn oder die Rhätische Bahn sei, nicht aber der Glacier Express.

Fast schon nebenbei gesagt wird uns für eine Fahrt mit dem Glacier Express folgendes in Aussicht gestellt:

Sie rollen bis zu den Wolken, schweben in paradiesische Sphären und erleben Wimpernschläge des Glücks.

Leute! Kommt mal wieder auf den Boden. Es geht hier „nur“ um eine Zugfahrt!

RailAway-Glanzlichter IV

Veröffentlicht: 13. Dezember 2009 in Marketing und Werbung, RailAway

So, vorläufig das letzte von den RailAway-Glanzlichtern! Das war streng…

Eine sehr einleuchtende Lektion im Thema „Wie kann ich möglichst viel daherplaudern und gleichzeitig möglichst wenig sagen?“

In Mailand finden Sie jede Menge Top-Design, aktuelle Mode und natürlich trendige Geschäfte mit kreativen und modischen Geschenkideen. (Mehr als die Hälfte könnte man weglassen und hätte unter dem Strich dasselbe gesagt.) Umgeben von imposanten Palazzi und Kirchen entwickelt sich hier auch in der Vorweihnachtszeit eine lässige Ungezwungenheit (kann Ungezwungenheit auch nicht lässig sein?), die für Shoppingfans geradezu prädestiniert ist (aha! Wozu ist sie denn bitte prädestiniert?), und die das typische italienische Flair ausmacht. (was macht hier genau was aus?)

Typisches dümmliches Marketing-Gewäsch, Phrasendrescherei ohne Inhalt!

RailAway-Glanzlichter III

Veröffentlicht: 13. Dezember 2009 in Marketing und Werbung, RailAway

1. Wann genau haben wir angefangen, in so dämlicher Weise alles getrennt zu schreiben und dazu noch die Kommas wegzulassen?

Winter Plausch – Ausflüge für alle die was erleben wollen. Winter Plausch Broschüre ab sofort an Ihrem Bahnhof.

Ein absolutes Glanz Licht für den Dumm Deutsch Blog. Hirn Amputation ab sofort an Ihrem Bahn Hof für alle die was erleben wollen.

2. Wann genau haben wir aufgehört, den Genitiv zu verwenden?

Buchen Sie in den Erlebnishotels des Europa-Park (…) ein Standardzimmer.

3. Wann genau haben wir aufgehört, die Adjektive zu beugen?

Lassen Sie Sich verzaubern vom bunten Lichtermeer (…) und von den unzählig geschmückten Tannenbäumen.

(Oder soll das ein Adverb sein: „Wie sind die Tannenbäume geschmückt? Unzählig.“)

Ach, mit RailAway kann man so wunderbar den Zerfall der Sprachfertigkeit beklagen!

RailAway-Glanzlichter II

Veröffentlicht: 13. Dezember 2009 in Marketing und Werbung, RailAway

Zum Wiehnachtsmärit Huttwil aus dem RailAway-Prospekt:

Mit musikalischen und kulturellen Darbietungen, unter anderem mit dem einzigartigen, traditionell-folkloristischen Adventsingen.

Ist traditionell und folkloristisch nicht eigentlich ein Widerspruch?

Der organisierende Verein Pro Regio Huttwil und die über 1000 Mitwirkenden freuen sich, Sie am 14. Huttwiler Wiehnachtsmärit willkommen zu heissen.

regio ist ein Nominativ. Es muss also heissen: Pro Regione, wie bei Pro Natura, Pro Juventute, Pro Infirmis. Zu den 1000 Mitwirkenden: Komm, wir gehen nach Huttwil. Wenn aber dann nicht alle 1000 Mitwirkenden uns persönlich willkommen heissen, verlangen wir unser Geld zurück! Schiebung! Betrug! Typische Marketing-Schleimersprache.

RailAway-Glanzlichter I

Veröffentlicht: 13. Dezember 2009 in Marketing und Werbung, RailAway

Der aktuelle Prospekt von SBB Railaway zu den Weihnachtsmärkten bietet sprachlich ganz viel Dummdeutsch-Futter. Beginnen wir mal beim Vorwort von Geschäftsführer René Kamer persönlich. Ui ui ui!

Hätte mir jemand (…) prophezeit, dass Sie, liebe SBB RailAway-Fans, bis 2009 insgesamt über 8.5 Mio. Freizeitangebote konsumieren, ich hätte ihn (…) für verrückt gehalten.

Wie konsumiert man ein Freizeitangebot, René Kamer? „Konsumieren“ heisst „aufbrauchen, verzehren“, das Freizeitangebot ist aber, nachdem man es genossen hat, nicht aufgebraucht, sondern es besteht immer noch genau gleich. Man kann höchstens 8.5 Mio. Tassen Kaffee konsumieren, wobei ich aber auch dann eher von „trinken“ reden würde. Typisches, blödes Marketingdeutsch – eben Dummdeutsch!

Was 1999 klein (…) begann, wuchs zum bedeutendsten Freizeitanbieter der Schweiz. Das ist mitunter der Verdienst von weitsichtigen und unterstützenden Partnern.

Selten so gelacht!

1. „Mitunter“ heisst „manchmal“, wie in folgendem Beispiel: „Die deutsche Sprache ist mitunter nicht einfach.“ Was Sie, René Kamer, meinen, heisst ganz einfach „unter anderem“.

2. Muss es hier „der“ oder „das Verdienst“ heissen? Natürlich „das Verdienst“. Wer nicht weiss, warum, möge in einem guten Wörterbuch nachschauen. (Im Duden, Band 1, findet man es auch.)

Feiern Sie mit meinem Team und mir, und lassen Sie sich auf unser Jubeljahr ein.

Ganz abgesehen davon, dass die Phrase „sich auf etwas einlassen“ hier eher unpassend ist (das bedeutet doch, dass ich mich mit etwas einverstanden erkläre, was im Grunde eher negativ konnotiert ist: „auf solch billige Spielchen lasse ich mich nicht ein“): Der Begriff „Jubeljahr“ kommt mir hier schräg rein und sollte doch durch das geläufigere „Jubiläum“ ersetzt werden. Aber so kommt es eben raus, wenn man auf Teufel-Komm-Raus möglichst originelle Ausdrücke sucht. Hintergrund: Das Jubeljahr ist ein Begriff aus der jüdischen Religion, welcher auch in den Katholizismus übernommen wurde, und hat mit einem aussergewöhnlichen Sündenablass zu tun, der von den Päpsten institutionalisiert wurde, um der päpstlichen Kasse von Zeit zu Zeit wieder aufzuhelfen! Seit 1475 findet ein Jubeljahr alle 25 Jahre statt, und das letzte war im Jahre 2000, d.h. dass das nächste erst wieder 2025 stattfinden kann, und nicht schon jetzt, wie das René Kamer unpassenderweise postuliert.

Wir haben uns allerhand ausgedacht.

Das merkt man! Ist ja wirklich allerhand.