Archiv für die Kategorie ‘Uncategorized’

Missen-Unwissen

Veröffentlicht: 12. Oktober 2015 in Uncategorized

Wieder einmal befindet es der „Blick“ für nötig, sich über die angebliche Dummheit von Miss-Schweiz-Kandidatinnen lustig zu machen. Und ausnahmsweise muss ich – erstaunlich, aber wahr – die Miss-Kandidatinnen in Schutz nehmen. Zugegeben, wenn gefragt wird, wer die Bundespräsidentin der Schweiz sei (falls dies wirklich der originale Wortlaut der Frage war), und die Antwort lautet: „Vielleicht Herr Berset?“, dann ist das schon nicht sehr intelligent.

Aber die Kandidatin soll dann die „Bikinirunde“ mit den Worten kritisiert haben: „Weniger ist eben manchmal mehr“, was vom „Blick“ als unlogische Blondinenaussage gebrandmarkt wird. Dabei ist es sehr wohl möglich, den Satz sinnvoll zu interpretieren, sofern man ein bisschen über die eigene Nasenspitze hinaus denken kann. Es ist nämlich recht plausibel, dass die Dame gemeint hat: „Weniger (Haut zu zeigen) ist eben manchmal mehr.“

Dafür bringt der „Blick“ in seinem Spottartikel noch den klassischen Redensarten-Fauxpas: „Sie zeigte Rückrad.“ – Wie heisst das Ding, welches wir in unserem Rücken drin haben? Und was soll ein „Rückrad“ überhaupt sein?

Wer hat jetzt wirklich Spott verdient?

Mittagshit am verkaufsfreien Sonntag

Veröffentlicht: 10. Dezember 2014 in Uncategorized

Unter der Rubrik „1 Bild statt 1000 Worte“ erscheinen auf 20min Online in unregelmässiger Folge von Lesern eingesandte skurrile Bilder aus dem Alltag. So erschien gestern ein Bild mit der Ankündigung eines „Mittagshits“ beim Migros-Restaurant mit dem Bildkommentar „Bindestriche werden unterschätzt – auch bei der Migros“.

Ich finde es ja generell den Hammer, wenn ausgerechnet 20min sich dazu herablässt, sich über sprachliche Fehler bei anderen lustig zu machen. (Unter den Blinden ist der Einäugige König.) Nun ist es aber so, dass „Mittagshit“ ein ganz gewöhnliches, regelrecht gebildetes deutsches Nominalkompositum ist und somit auf keinen Fall einen Bindestrich benötigt, auch wenn der Einsender und offenbar auch die Redaktion das Gefühl hatten, man müsse einen solchen setzen, um gewisse Assoziationen zu vermeiden. Das, was suggeriert werden soll, wäre aber ohnehin nicht möglich, da man das s in jedem Fall als Genitiv-s interpretieren muss. Sonst müsste das Kompositum nämlich mit zwei s geschrieben werden; einem für den Genitiv von Mittag und einem für die menschlichen Exkremente auf Englisch. Ich würde also sagen: Nicht Bindestriche werden unterschätzt, sondern die Problematik, ob man ein oder zwei s schreiben muss.

Am Tag zuvor befand man es für nötig, sich über eine Werbeanzeige lustig zu machen, in der der 8. Dezember vermeintlich zu Unrecht als „verkaufsfreier Sonntag“ bezeichnet wurde (es handelte sich um einen Montag). Allerdings ist der 8. Dezember in katholischen Gegenden ein Feiertag (Mariä Empfängnis). Darauf nahm die Werbeanzeige Bezug, indem gesagt wurde, dass in Ebikon die Filiale trotz des Feiertags geöffnet ist. Richtig ist somit auch auf der Informationswebsite http://www.sonntagsverkaeufe.ch der Montag, 8.12.2014, aufgeführt, obwohl es gar kein Sonntag ist.

Fazit in Bezug auf 20min respektive auf die einsendenden „Leserreporter“: Wer nichts weiss, muss alles lächerlich finden. Dabei gäbe es genug Skurriles aus dem Alltag, das tatsächlich fragwürdig ist. Lächerlich ist nur, wenn die 20min-Redaktionspraktikanten vermeintliche Fehler zu Unrecht anprangern, die in Wirklichkeit richtig sind, während sie selber Millionen der absurdesten, echten Fehler in die Welt setzen.

Schweizer Wort des Jahres ist #

Veröffentlicht: 4. Dezember 2014 in Uncategorized

Vielleicht sollte man Themen, die irgendwie mit Sprache zu tun haben, auch von Leuten behandeln lassen, die auch eine Ahnung von Sprache haben. SRF schafft die peinliche Leistung, absurderweise ein Zeichen zum Wort des Jahres zu erklären, und 20min schafft die nicht minder peinliche Leistung, darüber in einem Artikel von vier relativ kurzen Absätzen zu berichten, in denen mindestens elf Fehler untergebracht sind: zwei Kommafehler, zwei Syntaxfehler, drei Grammatikfehler, drei sonstige Schreibfehler (alle im Bereich Gross-/Kleinschreibung) und ein Logikfehler – wer bietet mehr? Aber eins nach dem anderen – ich zeige hier natürlich nicht jeden einzelnen Fehler auf, sonst bin ich morgen noch dran:

Das Schweizer Wort des Jahres ist: #

Absurd, da # kein Wort, sondern ein Zeichen ist. Übrigens ist auch „Schweizer Wort“ ein bisschen merkwürdig; was # spezifisch mit der Schweiz zu tun haben soll, ist mir schleierhaft.

Seit über zehn Jahren wählt die Schweiz ihre Wort und Unwort des Jahres.

Ihre Wort und Unwort des Jahres?

So kurz wie 2014 war die Wahl jedoch noch nie.

Die Wahl ist nicht dasselbe wie das Gewählte. „Wahl“ bezeichnet den Vorgang des Wählens. Nicht die Wahl war also kurz, sondern das gewählte Wort.

Der «Hashtag» (also: #) ist zum Schweizer Wort des Jahres 2014 gekürt worden.

Wieder falsch, denn mit „Hashtag“ wird die Verbindung eines Stichwortes mit davorgestelltem hash sign als Ganzes bezeichnet.

Die Jury begründet ihren Entscheid damit, dass das Wort die heutigen Jugend widerspiegle.

„Die heutigen Jugend?“ Sehr gut…

Die Jury findet, dass wer in der Schweiz über Dichtestress klage, hätte solchen noch nie richtig erlebt.

Eine völlig absurde syntaktische Würgerei, aber nichts Neues. Heute kann scheinbar niemand mehr mit eingeschobenen Nebensätzen richtig umgehen. Inhaltlich ist die Begründung der Jury aber auch fragwürdig, denn es ist immer eine Frage des Bezugspunktes. Wer sich beispielsweise die Verhältnisse im hohen Norden gewohnt ist, kann in der Schweiz durchaus plausibel Dichtestress erfahren. Dazu muss man nicht erst den „wahren“ Dichtestress in Millionenstädten erfahren. Das, was einen krank macht (so auch bei Phänomenen wie Burnout), ist immer der subjektiv empfundene Stress, nicht der objektiv messbare. Insofern ist die Argumentation völlig absurd und bei der Begründung der Vergabe eines „Unwortes des Jahres“ dementsprechend fehl am Platz. Es ging den Juroren also mehr um das Zurschaustellen ihrer politischen Gesinnung denn um die echte Reflexion über ein Wort/Unwort.

Trampolin ins Showbiz

Veröffentlicht: 7. September 2014 in Uncategorized

Melanie Winiger lässt sich im „Blick“ bezüglich ihres Miss-Schweiz-Titels folgendermassen zitieren:

Der Titel war mein Trampolin ins Showbiz.

Naja, nicht ganz. Die Metapher kann so nicht funktionieren, denn beim Sprung auf ein Trampolin landet man zwangsläufig auch sehr, sehr schnell wieder. Nach Frau Winiger bestünde das Showbiz also in erster Linie aus der harten Landung, aber ich bezweifle, dass dies die Lebensweisheit war, die sie uns hier mit auf den Weg geben wollte. Deshalb benutzt man in diesem Kontext als Metapher eben richtigerweise auch nicht „Trampolin“, sondern „Sprungbrett“.

Gastrosexuell

Veröffentlicht: 4. September 2014 in Uncategorized

In „20min“ macht ein neues Wort die Runde, um auf das entsprechende Sachbuch aufmerksam zu machen. Männer, die gerne kochen – also Essen zubereiten -, sind demnach „gastrosexuell“. Das ist ja wieder mal selten dämlich – und vor allem so offensichtlich. Es geht wirklich nur noch darum, mit dem Reizwort -sexuell nach Aufmerksamkeit – also mehr Klicks, mehr Buchverkäufen – zu haschen.

Das Wort ist völliger Quatsch, da man ja nicht mit Töpfen und Stabmixern seine geschlechtliche Befriedigung sucht, sondern letztlich einfach nur gerne Essen zubereitet. Wer gerne reitet – also auf Pferden -, ist deswegen auch nicht hipposexuell. Beschränkt euch doch einfach auf das Anhängsel -phil, was bloss heisst, dass man etwas gerne tut. Reicht das etwa nicht?

Wortwörtlich würde „gastrosexuell“ im Übrigen bedeuten, dass man mit dem Magen geschlechtlich verkehrt (gr. gastron = Magen) – auch nicht gerade optimal.

Zuletzt möchte ich zu bedenken geben, dass der vermeintliche Riesentrend, sich als Mann mit kreativem Kochen (also mehr als Spiegeleier und Fertigpizza) zu betätigen, schon jahrzehntealt ist. Ich sehe wirklich nicht recht, was daran neu sein soll…

T’jört

Veröffentlicht: 1. September 2014 in Uncategorized

Ist eigentlich die Schreibweise „T’jört“ (vorgestern an einem Anschlagbrett gefunden) für ein verbreitetes Kleidungsstück auch Angewandte Linguistik?

Sions Osmos

Veröffentlicht: 27. Februar 2014 in Uncategorized

Der „Blick“ wundert sich darüber, dass Sions Fussballer nach einer längeren Durststrecke plötzlich in einem Effort YB mit 3:0 besiegt haben, und fragt Sions Präsidenten Christian Constantin:

Was sind die Gründe, dass die Mannschaft innert vier Tagen solch eine Osmos durchmachen kann?

Eine was? (Erstens schreibt man Osmose, und zweitens war wohl eher eine Metamorphose gemeint, aber Fremdwörter sind ja bekanntlich Glückssache…)