Archiv für die Kategorie ‘Vermischter Schwachsinn’

Angewandte Linguistik

Veröffentlicht: 1. September 2014 in Vermischter Schwachsinn

Krasse Steilvorlage für den Dummdeutsch-Redaktor! Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, namentlich ausgerechnet das Departement Angewandte Linguistik, hat infolge „eines technischen Fehlers“ sehr skurrile Zeugnisbestätigungen versandt. So lautet es dort zunächst noch harmlos:

(…) hat den 3-jährigen Bachelorstudiengang Übersetzen, Vertiefung 19.09.2011, erfolgreich abgeschlossen.

Was die „Vertiefung 19.09.2011“ sein soll, erschliesst sich mir nicht ganz. (In Wahrheit handelt es sich hier um das Datum des Studienbeginns.) Aber danach geht es erst richtig wild weiter:

Sie belegte die Sprachen Spanisch (Grundsprache), L.BA.UE.09/09.1.11HS (Erste Fremdsprache) und jA.Immatrikuliert (Zweite Fremdsprache) sowie Italienisch (Dritte Fremdsprache). Frau (…) hat das Studium vom Ja bis Deutsch absolviert.

Fazit eins: Da sind also gleich mehrere Serienbriefelemente zünftig durcheinandergewürfelt worden. Das ist eben noch Angewandte Linguistik. Man könnte es auch Kreatives Schreiben nennen, irgendwie genial und an Dada erinnernd.

Fazit zwei: Menschliches Mitdenken ist in der Büroarbeit doch noch nicht ganz obsolet geworden, entgegen dem, was uns gewisse Exponenten immer wieder glauben machen wollen.

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Liebesschuft Reiner H.

Veröffentlicht: 25. Juli 2014 in Vermischter Schwachsinn

„Blick“ berichtet über die dubiosen Machenschaften des als „Liebesschuft“ bezeichneten Hochstaplers Reiner H., der etlichen Frauen Heiratsanträge machte, dann aber ihre Konten im grossen Stil plünderte. Es wird auch ein gefälschtes Schreiben auf Credit-Suisse-Briefpapier gezeigt, mit welchem Reiner H. sich als vermögend ausgab. Der Wortlaut:

Briefkopf:
Credit Swisse AG
Hauptstr. 33
Ch 8280 Kreuzlingen

Der Briefkopf würde schon genügen, um den Schwindler zu entlarven. Swisse? Landeskennzeichen falsch geschrieben (richtig wären nur Majuskeln) und ohne Bindestrich vor der Postleitzahl? Aber es geht noch weiter:

Die Unterzeichnenden bestätigen hiermit, unter den Banküblichen Bedingen, Kto. 6**********, Zugriff auf vorgenanntes Konto mit einem Kontostand über CH 1.721.015,– haben.

Erstens ist das kein vollständiger Satz („bestätigen hiermit, dass Sie…„), zweitens „banküblich“ bitte klein, ein Substantiv „Bedingen“ gibt es nicht und das Währungskürzel von Schweizer Franken ist CHF, nicht CH. (Besonders auffällig: Ein Schreiben einer der grössten Schweizer Banken und das Währungskürzel von Schweizer Franken ist falsch geschrieben? Niemals!)

Wir hoffen, Ihnen kurzfristig behilflich sein zu konnten.

Was soll das für ein Satz sein?

Bei den Unterschriften taucht dann noch ein „Buschmann, gez. für Credit Swiss“ auf. (Das wäre schon die zweite falsche Schreibweise, obwohl Reiner H. die richtige Schreibweise einfach aus dem Briefkopf hätte übernehmen können…)

Fazit: Spätestens nachdem Reiner H. den Frauen ein so schlecht gefälschtes Schreiben einer Grossbank vorgelegt hatte, hätten sie den Braten sofort riechen können, ja müssen. Das erinnert mich zu sehr an die angeblichen Bankmitteilungen, die – in katastrophalem Deutsch – immer wieder mal zu Phishing-Zwecken per E-Mail versandt werden. Mit dem Verstand der betreffenden Damen kann es auch nicht allzu weit her gewesen sein, wenn sie sich mit einem solchen Schreiben übertölpeln liessen…

Die Robbe Silja

Veröffentlicht: 8. März 2014 in Vermischter Schwachsinn

Im Zusammenhang mit Wikipedia und anderen Open-Source-Geschichten wird so oft von der Schwarmintelligenz geschwärmt. Leider kann diese aber auch sehr oft in Schwarmdummheit umschlagen, dann nämlich, wenn irgendjemand eine Behauptung in die Welt (resp. ins Netz) setzt und alle davon abschreiben. Niemand wird sich mehr die Mühe machen, diese „Weisheit“ zu hinterfragen, und selbst wenn, so steht die falsche Behauptung schon an so vielen Stellen im Netz, dass die Korrigiererei aussichtsloser als ein Kampf gegen die Hydra ist.

Neulich bin ich auf das Beispiel von „Silja“ gestossen. Wie man vielleicht weiss, ist das ein Frauenname, der im Allgemeinen als niederdeutsche Kurzform der lateinischen Caecilia interpretiert wird. Nun geistert aber im Internet die Information herum, dass Silja im Finnischen auch „Robbe“ bedeute. Als Beispiel dafür wird auch die Reederei Silja Oy Ab angeführt, deren prägnantes Firmenlogo ein Robbenkopf darstellt.

So steht es selbst in der deutschen Wikipedia-Seite zum Vornamen Silja: „Auf Finnisch bedeutet silja Robbe.“

Übernommen wird die Sache von etlichen Vornamen-Informationsseiten, auf denen, mit Verlaub, ohnehin zu mindestens 50% nur Müll steht. So zum Beispiel baby-vornamen.de: „Silja heisst überdies im Finnischen „Robbe“, daher z.B. die Fährgesellschaft „Silja-Line“; laut Namensbuch aber auch als „himmlische Lilie“ übersetzt“ Von dort wird die falsche Information augenscheinlich auch in zahlreiche Foren, in denen sich Interessierte über Namen unterhalten, ausgebreitet.

Nochmals für alle zum Mitschreiben: Silja heisst auf Finnisch nicht Robbe. Die Silja-Line hiess ursprünglich siljavarustamo (Silja-Reederei), da ihr erstes eigenes Fährschiff „Silja“ hiess, und das Schiff war, wie es nun mal bei Schiffen häufig der Fall ist, einfach nach dem entsprechenden Frauennamen benannt. Für die (spätere) Schöpfung des Silja-Logos mit dem stilisierten Robbenkopf ist immerhin daran zu denken, dass Silja ähnlich klingt wie engl. seal (und das heisst in der Tat „Robbe“). Belegt ist dieser Zusammenhang allerdings auch nicht.

„Apple“ schickt mir folgende extrem glaubwürdige Benachrichtigungsmail, obwohl ich noch nie in meinem langen Leben auch nur ein Apple-Produkt besessen habe:

Wir informieren sie, dass ihr konto über die in weniger als 48 abläuft stunden, ist es unerlässlich, eine prüfung ihrer daten auf das verhalten jetzt, mit ihrer Itunes-ID.
Warum sie per e-mail schickte er ? Die versendung dieser e-mail gilt, wenn das ablaufdatum ihres konto abläuft,

Das ist so dummdreist und so dummdeutsch, dass es wieder genial ist. Besser als die meiste Literatur aus dem Dadaismus.

Lose Gedanken zu Oprah

Veröffentlicht: 10. August 2013 in Vermischter Schwachsinn

An dieser Stelle heute ausnahmsweise nicht eine Diskussion von Fehlern, sondern nur ein paar lose aneinandergereihte Gedanken zur unsäglichen Diskussion, die Oprah da losgetreten hat.

1) Wenn wir auf unserer Welt keine grösseren Probleme mehr haben, als dass irgendwem irgendeine Handtasche nicht verkauft wurde – aus welchen Gründen auch immer -, dann geht es uns aber definitiv viel zu gut.

2) Warum tritt die Frau die Diskussion erst rund drei Wochen, nachdem sich der Vorfall ereignet haben soll, los? Kann man sich drei Wochen danach noch an den genauen Wortlaut eines solchen Verkaufsgesprächs erinnern? (Ich nicht!)

3) „Der Skandal ist nicht, dass jemandem eine Handtasche nicht gezeigt wurde, sondern dass einer Schwarzen eine Handtasche nicht gezeigt wurde.“ – Ach ja? Und warum genau? Konsequent weitergedacht, folgt daraus, dass man einer Schwarzen letztlich nie irgendetwas abschlagen kann, weil dies ja immer Rassismus wäre. Das ist aber dann umgekehrter Rassismus. Wenn man einen Weissen also nicht bedient, weil er zum Beispiel etwas nachlässig gekleidet ist, ist dies dann grundsätzlich OK.

4) Was war genau mit dem Vorfall im Hermès in Paris, als Oprah 15 Minuten nach Ladenschluss (!) nicht mehr ins Geschäft eingelassen wurde und in der Folge den Angestellten Rassismus vorwarf? Also ehrlich: mir kommt dieses Verhalten eher wie das Aufbegehren eines verwöhnten Kleinkindes vor, dem man einmal einen Wunsch nicht erfüllt. Wie simpel ist es dann, gleich die Rassismuskeule zu schwingen!

5) „Sie ergänzte leicht säuerlich, in der Schweiz werde ihre Show wohl nicht ausgestrahlt.“ – Dann ist die Dame ganz einfach betupft, weil man sie nicht erkannt hat. Immer schön auf dem Boden bleiben, Madame! Gottlob funktioniert die Welt nicht überall so, dass man, sobald man nur genug berühmt ist, einfach alles darf. Bloss weil man in den USA einflussreich ist (dort ist sie sicherlich enorm einflussreich, das gestehe ich ihr zu), gilt dies nicht automatisch für die ganze Welt. (Auch beim Pariser Vorfall hiess es, dass das Personal Oprah wohl nicht erkannt habe – warum erstaunt es mich überhaupt nicht, dass das Muster der beiden Vorfälle in auffälliger Weise übereinstimmt?)

6) Das Entsetzen von Tourismus Schweiz puncto riesigem Imageschaden ist völlig übertrieben und unnötig. In der heutigen schnelllebigen Zeit weiss das in einem Monat schon kein Mensch mehr. Ausserdem: sind nach Oprahs Hermès-Skandal etwa weniger Leute nach Paris gereist? Na also, geht doch.

Der ganze Rest, wer in diesem Verkaufsgespräch was warum gesagt oder verstanden hat oder haben könnte, ist mir schnurzpiepegal. Das ist alles Kinderkram, nein, besser: Kleinkinderkram, erwachsener Menschen nicht würdig.

PS. Oprah soll doch froh sein, dass ihr diese Handtasche erspart blieb – das passt ohnehin besser zu ihrem Engagement für die PETA und der damit verbundenen Ernennung zur „Person of the year“ durch die PETA im Jahre 2008. Es handelte sich nämlich um eine 30’000-fränkige Tasche aus Krokodilleder. Wer braucht sowas?

Herrlich sind immer wieder Leserkommentare im folgenden Stil (von tilllate.com):

Also, ich habe mir eure Kommentare angeschaut. Und ich stelle fest, Ihr habt alle während der Schulzeit eure Kopfhöhrer auf gehabt. Es gibt nicht einen Kommentar der nicht ohne gravierende rechtschreibfehler ist! Das ist sehr erschreckend. Ich hoffe für unseren Strassenverkehr, dass Ihr alle nur Fussgänger seid! Und klar gehören Kopfhöhrer NICHT in den Strassenverkehr, schon wegen der Sicherheit, und zum anderen, es ist Unhöflich und Asozial sich so abschotten zu „wollen – müssen“.

Für einen, der Rechtschreibfehler in fremden Texten bemängelt, macht der Herr selber doch etwas zu viele Fehler: Reine Orthographie- und Interpunktionsfehler zähle ich acht – Wiederholungsfehler ausgenommen. Dazu kommen noch das Anführungs- und Schlusszeichen-Gewurstel am Ende und die auf beiden Beinen hinkende Logik im dritten Satz – ich wiederhole:

Es gibt nicht einen Kommentar, der nicht ohne gravierende Rechtschreibfehler ist.

Da haben wir uns bei den Negationen etwas vertan: die dreifache Negation macht die Aussage des Satzes zur Sau. Der etwas kryptische Satz heisst nämlich aufgelöst, dass alle Kommentare fehlerfrei sind. Das wäre dann doch etwas zu starkes Wunschdenken.

Was ist hier bei der Beschriftung eines Firmenfahrzeugs eines Unternehmens, das sich durchaus im gehobenen Segment bewegt, schiefgegangen?

GARTENMÖBEL, PFLANZEN, TERRASSEN IN EINER STILLVOLLEN ATMOSPHÄHRE

Aua.

„20min“ hatte in Zoologie einen Fensterplatz:

Wenn sich Haie den Mund von Fischen ausputzen lassen, können Hunde auch Wildkatzen pflegen: Löwe Bonedigger und Dackel Milo sind ein aussergewöhnliches Team.

Ähm, nein. Löwen sind nicht ganz dasselbe wie Wildkatzen. Und dass ein Dackel die Zähne von Wildkatzen pflegen kann, glaube ich nun beim besten Willen nicht. Die Wildkatze würde sich das auch nie gefallen lassen!

(Vielleicht war auch der Begriff „Raubkatzen“ gemeint, aber dieser Begriff ist ja im Grunde genommen eh Quatsch, da alle Katzen per definitionem Raubtiere sind…)

Auf „20min Online“ will ein Kommentator mit dem Pseudonym „Paul Bocuse“ einen guten Tipp für das Schneiden von Zwiebeln geben, verirrt sich aber in seiner Satzkonstruktion ungewollt in das Gebiet der Augenchirurgie:

Mit einem richtig scharfen Messer geschnitten, bleibt das Auge trocken!

Dazu sage ich nur noch: Aua!

Am Genfer Automobil-Salon werden längst nicht mehr nur Autos ausgestellt, sondern auch Autozubehör. Konsequenterweise heisst die Messe heutzutage auf Französisch auch „Salon International de l’Auto & Accessoires“.

Aber was auf Französisch aufgrund der üblichen französischen Wortstellung problemlos funktioniert, wird auf Deutsch zu einem absoluten Ungetüm:

Internationaler Auto-Salon und Zubehör

So wird der Auto-Salon auf Plakaten angekündigt! Ich frage mich, was für unsensible Leute manchmal für solche Übersetzungen zuständig sind. Das tut doch in den Ohren weh. Wenn schon: „Internationaler Auto- und Zubehörsalon“.