Liebesschuft Reiner H.

Veröffentlicht: 25. Juli 2014 in Vermischter Schwachsinn

„Blick“ berichtet über die dubiosen Machenschaften des als „Liebesschuft“ bezeichneten Hochstaplers Reiner H., der etlichen Frauen Heiratsanträge machte, dann aber ihre Konten im grossen Stil plünderte. Es wird auch ein gefälschtes Schreiben auf Credit-Suisse-Briefpapier gezeigt, mit welchem Reiner H. sich als vermögend ausgab. Der Wortlaut:

Briefkopf:
Credit Swisse AG
Hauptstr. 33
Ch 8280 Kreuzlingen

Der Briefkopf würde schon genügen, um den Schwindler zu entlarven. Swisse? Landeskennzeichen falsch geschrieben (richtig wären nur Majuskeln) und ohne Bindestrich vor der Postleitzahl? Aber es geht noch weiter:

Die Unterzeichnenden bestätigen hiermit, unter den Banküblichen Bedingen, Kto. 6**********, Zugriff auf vorgenanntes Konto mit einem Kontostand über CH 1.721.015,– haben.

Erstens ist das kein vollständiger Satz („bestätigen hiermit, dass Sie…„), zweitens „banküblich“ bitte klein, ein Substantiv „Bedingen“ gibt es nicht und das Währungskürzel von Schweizer Franken ist CHF, nicht CH. (Besonders auffällig: Ein Schreiben einer der grössten Schweizer Banken und das Währungskürzel von Schweizer Franken ist falsch geschrieben? Niemals!)

Wir hoffen, Ihnen kurzfristig behilflich sein zu konnten.

Was soll das für ein Satz sein?

Bei den Unterschriften taucht dann noch ein „Buschmann, gez. für Credit Swiss“ auf. (Das wäre schon die zweite falsche Schreibweise, obwohl Reiner H. die richtige Schreibweise einfach aus dem Briefkopf hätte übernehmen können…)

Fazit: Spätestens nachdem Reiner H. den Frauen ein so schlecht gefälschtes Schreiben einer Grossbank vorgelegt hatte, hätten sie den Braten sofort riechen können, ja müssen. Das erinnert mich zu sehr an die angeblichen Bankmitteilungen, die – in katastrophalem Deutsch – immer wieder mal zu Phishing-Zwecken per E-Mail versandt werden. Mit dem Verstand der betreffenden Damen kann es auch nicht allzu weit her gewesen sein, wenn sie sich mit einem solchen Schreiben übertölpeln liessen…

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Aus den USA nach New York

Veröffentlicht: 20. März 2014 in Journalismus und Printmedien

„Blick“ berichtet über Mick Jaggers Reaktion auf den Suizid seiner Freundin:

L’Wren Scotts langjähriger Partner Mick Jagger (70) ist umgehend aus den USA nach New York gereist.

Und in welchem Land liegt New York schon wieder? (Korrekt wäre gewesen: „ist umgehend aus Australien nach New York gereist“)

Und dann noch dies:

Im gehts nicht richtig gut.

Die Robbe Silja

Veröffentlicht: 8. März 2014 in Vermischter Schwachsinn

Im Zusammenhang mit Wikipedia und anderen Open-Source-Geschichten wird so oft von der Schwarmintelligenz geschwärmt. Leider kann diese aber auch sehr oft in Schwarmdummheit umschlagen, dann nämlich, wenn irgendjemand eine Behauptung in die Welt (resp. ins Netz) setzt und alle davon abschreiben. Niemand wird sich mehr die Mühe machen, diese „Weisheit“ zu hinterfragen, und selbst wenn, so steht die falsche Behauptung schon an so vielen Stellen im Netz, dass die Korrigiererei aussichtsloser als ein Kampf gegen die Hydra ist.

Neulich bin ich auf das Beispiel von „Silja“ gestossen. Wie man vielleicht weiss, ist das ein Frauenname, der im Allgemeinen als niederdeutsche Kurzform der lateinischen Caecilia interpretiert wird. Nun geistert aber im Internet die Information herum, dass Silja im Finnischen auch „Robbe“ bedeute. Als Beispiel dafür wird auch die Reederei Silja Oy Ab angeführt, deren prägnantes Firmenlogo ein Robbenkopf darstellt.

So steht es selbst in der deutschen Wikipedia-Seite zum Vornamen Silja: „Auf Finnisch bedeutet silja Robbe.“

Übernommen wird die Sache von etlichen Vornamen-Informationsseiten, auf denen, mit Verlaub, ohnehin zu mindestens 50% nur Müll steht. So zum Beispiel baby-vornamen.de: „Silja heisst überdies im Finnischen „Robbe“, daher z.B. die Fährgesellschaft „Silja-Line“; laut Namensbuch aber auch als „himmlische Lilie“ übersetzt“ Von dort wird die falsche Information augenscheinlich auch in zahlreiche Foren, in denen sich Interessierte über Namen unterhalten, ausgebreitet.

Nochmals für alle zum Mitschreiben: Silja heisst auf Finnisch nicht Robbe. Die Silja-Line hiess ursprünglich siljavarustamo (Silja-Reederei), da ihr erstes eigenes Fährschiff „Silja“ hiess, und das Schiff war, wie es nun mal bei Schiffen häufig der Fall ist, einfach nach dem entsprechenden Frauennamen benannt. Für die (spätere) Schöpfung des Silja-Logos mit dem stilisierten Robbenkopf ist immerhin daran zu denken, dass Silja ähnlich klingt wie engl. seal (und das heisst in der Tat „Robbe“). Belegt ist dieser Zusammenhang allerdings auch nicht.

Sions Osmos

Veröffentlicht: 27. Februar 2014 in Uncategorized

Der „Blick“ wundert sich darüber, dass Sions Fussballer nach einer längeren Durststrecke plötzlich in einem Effort YB mit 3:0 besiegt haben, und fragt Sions Präsidenten Christian Constantin:

Was sind die Gründe, dass die Mannschaft innert vier Tagen solch eine Osmos durchmachen kann?

Eine was? (Erstens schreibt man Osmose, und zweitens war wohl eher eine Metamorphose gemeint, aber Fremdwörter sind ja bekanntlich Glückssache…)

Eine Spezialitätenmetzgerei aus Einsiedeln warb folgendermassen für ihren Stand am Weihnachtsmarkt im Klosterdorf:

An unserem Spezialitäten-Stand im Oberdorf stellen wir unsere neuesten Salami und Trockenfleisch Spezialitäten vor und können dort alle Degustiert werden.

Kannibalismus am Weihnachtsmarkt? Passt!

„Apple“ schickt mir folgende extrem glaubwürdige Benachrichtigungsmail, obwohl ich noch nie in meinem langen Leben auch nur ein Apple-Produkt besessen habe:

Wir informieren sie, dass ihr konto über die in weniger als 48 abläuft stunden, ist es unerlässlich, eine prüfung ihrer daten auf das verhalten jetzt, mit ihrer Itunes-ID.
Warum sie per e-mail schickte er ? Die versendung dieser e-mail gilt, wenn das ablaufdatum ihres konto abläuft,

Das ist so dummdreist und so dummdeutsch, dass es wieder genial ist. Besser als die meiste Literatur aus dem Dadaismus.

Wenn Sie schon immer mal wissen wollten, wieviele Fehler man in einem einzigen Wort machen kann, dann sollten Sie mal den Praktikus-Katalog studieren. Da steht:

Es gibt nichts romantischeres (sic!), als sich nach einem Spaziergang bei selbst gebratenen Maroni’s und einem Glas Wein auszuruhen.

Die korrekte (und auch die in der Schweiz übliche) Schreibweise der gebratenen Kastanienfrüchte ist Marroni, mit zwei r. Das Plural-s ist ohnehin überflüssig, da „Marroni“ bereits ein Plural ist (wie Ravioli, Spaghetti, Gnocchi, Tortellini und so weiter), und das Plural-s wird auch niemals mit einem Apostroph abgetrennt: der klassische Deppen-Apostroph. Sogar im Englischen wäre dieser Apostroph falsch, da er nur vor einem Genitiv-s gesetzt wird.

Aber dazu passt vielleicht auch das balletttanzende Rentier im Tutu und Spitzenschuhen (so einen Schmarren bietet Praktikus wirklich an!), von dem die doch tatsächlich schreiben:

Dancer tänzelt fröhlich auf sehr hohen Absätzen.

Seit wann tanzt man beim Ballett auf sehr hohen Absätzen? Haben die noch nie Ballett-Spitzenschuhe gesehen? Unglaublich. Und dann kostet der Schmarren noch satte Fr. 139.–!

Vanuatu

Veröffentlicht: 30. November 2013 in Journalismus und Printmedien
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„Blick“ erfindet einmal mehr die Geographie neu:

Er erkaufte sich den Titel des Kultur-Botschafters vom afrikanischen Staat Vanuatu.

Ich wusste gar nicht, dass sich Afrika neuerdings bis nach Melanesien, nordöstlich von Australien, erstreckt. Aber ich lerne gern dazu.

Coop bietet gegenwärtig wieder Weinachtsguetzli an. Mein lieber Scholli, das hat nichts mit dem Weinglas zu tun, in das einige an diesem Fest zu tief hineingucken, und auch nichts mit Weinen, weil es für viele Leute ein so trauriges Fest ist.

Und nebenbei gesagt begreife ich nach wie vor nicht, warum so viele Leute heute offenbar das Gefühl haben, man müsse „willkommen“ in „Herzlich willkommen“ gross schreiben. So wird man am Einsiedler Weihnachtsmarkt (und nicht Weinachtsmarkt, obwohl hier hektoliterweise Glühwein ausgeschenkt wird) auf beiden Seiten pompös begrüsst mit Herzlich Willkommen.

Tafelporzellan

Veröffentlicht: 27. November 2013 in Marketing und Werbung
Schlagwörter:, , , , ,

SPAR hat gegenwärtig eine Treueaktion für zeitlos modernes Tafelporzellan.

Kann es sein, dass die die Bedeutung von „zeitlos“ so ziemlich missverstanden haben? Was heute modern ist, ist morgen veraltet. Was morgen modern ist, ist heute futuristisch oder „der Zeit voraus“. Was gestern modern war und heute veraltet ist, wird vielleicht morgen retro sein. Was jedoch zeitlos ist, das ist nie veraltet und damit auch nie modern!